Leseprobe

Neugierig auf unsere Veröffentlichung? Dann hol dir hier einen Appetithappen. Das Werk ist am 05.02.2021 erschienen.



 

Kapitel 1

 

Colton

 

 

 

Ich hasse Benefiz-Veranstaltungen.

 

Wobei diese Aussage im Grunde noch viel zu vage ist, denn eigentlich hasse ich sämtliche Events dieser Art.

 

Jedes Mal fühle ich mich, als würde ich nicht richtig hineinpassen, während mein bester Freund Saint Davenport sich auf ihnen bewegt, als wäre er vollkommen in seinem Element und hätte sein komplettes Leben lang nichts anderes getan. Doch dem ist dieser Scheiß wortwörtlich schon in die Wiege gelegt worden. Bei einem extrovertierten Dad, wie Onkel Logan es nun einmal ist, bleibt einem aber praktisch auch keine Wahl. Auch ich habe einen weltbekannten Vater, aber in Sachen Rampensau führt ganz klar mein nicht blutsverwandter Onkel.

 

Suchend sehe ich mich in der V.I.P.-Lounge nach meinem Kumpel Saint um, der scheint jedoch bislang noch nicht da zu sein. Passt zu ihm, er trifft nie zum Veranstaltungsbeginn bei so etwas ein. Er nennt es Star-Pünktlichkeit, ich finde dafür weit weniger nette Worte.

 

Genaugenommen ist außer mir und dem Personal, das aus zwei Kellnerinnen und ebenso vielen Barkeepern besteht, noch niemand hier. Das an sich ist nicht weiter verwunderlich, da die übrigen V.I.P.-Gäste sich vermutlich unten im Hauptraum herumtreiben und gerade damit beschäftigt sind, sich gegenseitig mit ihren Spenden auf dieser Wohltätigkeitsveranstaltung zu überbieten.

 

Entnervt ziehe ich mein Smartphone aus der Gesäßtasche und werfe einen Blick auf das Display.

 

Keine Nachrichten. Das war so klar.

 

Was ich noch mehr hasse als diesen Mist hier, ist Unpünktlichkeit.

 

Ich will das Handy gerade wieder wegstecken, da vibriert es und Saints Name leuchtet kurz auf dem Bildschirm auf. Mit einer unguten Vorahnung rufe ich die Nachrichten-App auf und verdrehe die Augen, als ich lese, dass er zwar gemeinsam mit Deacon und Landon unterwegs sei, sie aber im Stau stehen. Heißt also im Klartext, ich darf hier vorerst allein herumhängen. Klasse.

 

Natürlich könnte ich genauso gut nach unten zu meinen Eltern und damit auf die eigentliche Veranstaltung gehen, doch darauf habe ich noch weniger Bock. Mom zuliebe absolviere ich später mein Pflichtprogramm in puncto Fotos und Händeschütteln, mehr kann sie aber beim besten Willen nicht von mir erwarten. Ich schreibe Saint, dass sie ihre Ärsche so schnell wie möglich hierher bewegen sollen und drücke gerade den Sende-Button, als mich ein Räuspern auf- und in zwei strahlend blaue Augen blicken lässt.

 

»Hi, willkommen in der V.I.P.-Lounge. Mein Name ist Faith, was kann ich für Sie tun?«, rattert die Kleine vor mir ein wenig aufgeregt herunter, das registriere ich aber nur nebenher, denn ich bin viel zu sehr damit beschäftigt, sie abzuchecken.

 

Wow.

 

Warum habe ich sie nicht gerade eben schon registriert? Als ich zum restlichen Personal schaue, begreife ich, dass sie bei meiner Ankunft offenbar noch nicht im Raum war. Die beiden Kellnerinnen befinden sich ebenso wie die Barkeeper nach wie vor an ihren Plätzen.

 

Faith ist ungefähr anderthalb Köpfe kleiner als ich, hat eine zierliche Figur, dunkelbraune Haare, die sie zu einem Zopf gebunden hat, der in weichen Wellen über ihre Schultern fällt, und ein hinreißendes Lächeln. Darüber hinaus steckt sie in der hier üblichen Kluft, die aus einer enganliegenden, weißen Bluse und einem schwarzen, eine Handbreit über dem Knie endenden Rock besteht, dazu trägt sie ebenfalls schwarze High Heels.

 

»Möchten Sie etwas trinken, Sir?« Erst jetzt wird mir bewusst, dass sie immer noch auf eine Antwort wartet.

 

»Ein Bier … und ich wäre dir dankbar, wenn du sofort damit aufhörst, mich so förmlich anzusprechen, sonst fühle ich mich wie mein Dad. Ich bin Colton.« Das Griffith verschlucke ich rasch, weil ich nicht herüberkommen will, als würde ich mit der Tatsache protzen, dass mein Dad Bassist in Kanadas berühmtester Rockband und meine Mom die Schirmherrin dieser Veranstaltung ist. Faith wird wahrscheinlich auch so zumindest ahnen, dass ich in irgendeiner Form jemand Wichtiges sein muss, sonst wäre ich wohl kaum hier oben in der Lounge. Aber meiner Erfahrung nach wirkt nichts unsympathischer, als bei einer Frau damit punkten zu wollen, dass man der Sohn von irgendwem ist.

 

Und ich will bei ihr punkten, das wird mir in diesen Sekunden klar.

 

Rein optisch entspricht sie meinem Beuteschema, wenn sich jetzt noch herausstellt, dass ich mich mit ihr unterhalten kann, ohne mich nach drei Minuten zu langweilen, könnte das ein durchaus interessanter Abend werden.

 

»Wir sind angewiesen worden, zu den Gästen eine professionelle Distanz zu wahren«, entgegnet sie und der weiche, warme Klang ihrer Stimme jagt mir einen Schauer über das Rückgrat.

 

Mit einem leichten Grinsen neige ich mich ein bisschen zu ihr und zwinkere ihr zu. »Hier ist außer mir niemand, wer sollte dir deswegen also einen Vorwurf machen, hm? Ich sicher nicht und deine beiden Kolleginnen oder die Barkeeper da drüben wird es bestimmt ebenfalls nicht stören. Außerdem sollten sich die Gäste doch wohlfühlen, oder? Und wenn ich so von jemandem in meinem Alter angesprochen werde, verkrampft sich alles in mir.« Ein schwacher Hauch von Orange steigt mir in die Nase, als sie sich ihrerseits etwas vorbeugt und lächelnd zu mir aufsieht.

 

»Okay, Colton, dann setz dich doch schon einmal, ich bringe dir gleich dein Bier.« Danach kehrt sie auf dem Absatz um und geht mit wiegenden Hüften davon.

 

Macht sie das extra, um mich scharfzumachen?

 

Falls ja, funktioniert es.

 

Mein Blick klebt auf ihrem süßen Knackarsch und allmählich wird es in meiner Hose etwas eng. Den Kopf ein wenig schiefgelegt verfolge ich ihre Bewegungen, bis sie hinter der Bar verschwindet. Erst danach steuere ich eine der Sitzgruppen an und nehme auf dem Zweisitzer Platz.

 

Faith kommt mit einem Tablett, auf dem sich eine Bierflasche sowie ein Glas befinden, zu mir und stellt beides vor mir auf dem kleinen Tisch ab. »Kann ich dir sonst noch einen Wunsch erfüllen?« Sie deutet mit einer Handbewegung auf das an der gegenüberliegenden Wand aufgebaute Büffet mit diversem Fingerfood und Gerichten auf Warmhalteplatten oder in entsprechenden Behältern.

 

»Nein Danke. Aber du könntest dir selbst etwas zu trinken holen und dich zu mir setzen«, schlage ich mit einem Augenzwinkern vor. »Nur, solange hier niemand sonst auftaucht«, schiebe ich hinterher, als ich die Unentschlossenheit in ihrer Miene wahrnehme. Sie kräuselt ihre süße Stupsnase und gibt einen abwägenden Ton von sich. »Sollte es deswegen Ärger geben, nehme ich ihn auf meine Kappe, versprochen.«

 

»Du sorgst also dafür, dass ich meinen Job nicht verliere?«, hakt sie schmunzelnd nach und ich nicke energisch. »Und du möchtest wirklich nur das Bier?« Fragend hebt sie eine Augenbraue.

 

»Nur das und deine Gesellschaft.« Wenn ich mich nicht täusche, wird sie nach meinen Worten tatsächlich ein wenig rot.

 

»Okay, einen Moment.« Sie geht davon, holt sich selbst ein Wasser und kommt dann wieder zu mir. Als ich auf den freien Platz neben mir klopfe, zögert sie kurz, setzt sich jedoch schließlich mit dem größtmöglichen Abstand, den der Zweisitzer zulässt. »Dass ein V.I.P.-Gast so unkompliziert ist, erlebe ich ehrlich gesagt selten.«

 

Was Faith damit meint, kann ich mir lebhaft vorstellen und ich schenke ihr ein mitfühlendes Lächeln samt Achselzucken. Insbesondere für Saint, Deacon und Landon schäme ich mich auf solchen Events in schöner Regelmäßigkeit fremd. Sie sind nicht unhöflich zum Personal oder Ähnliches, aber für sie ist diese Art von Service selbstverständlich und sie äußern auch gern mal den einen oder anderen Extra-Wunsch.

 

»Ich habe dich noch nie zuvor hier gesehen, glaube ich«, starte ich einen Versuch, mehr über sie herauszufinden. Meine Mom arbeitet seit bestimmt anderthalb Jahren mit dieser Catering-Firma und Faith wäre mir in Erinnerung geblieben.

 

»Das liegt daran, dass ich den Job erst drei Monate mache und darüber hinaus erstmals in der V.I.P.-Lounge bin. Normalerweise kellnere ich unten. Du bist nicht besonders häufig hier, oder? Bei den regelmäßig stattfindenden Events bist du mir bislang nämlich nicht aufgefallen, an dich würde ich mich sicher erinnern …« Ihre Stimme verliert sich bei den letzten Worten im Nichts, weil ihr wohl eben klar wird, was sie da gesagt hat, und ihr leicht erschrockener Blick trifft auf meinen. Faiths Pupillen weiten sich ein bisschen, als ich mich zu ihr hinüberlehne.

 

»Nein, bin ich nicht. Diese Partys sind nicht so mein Ding. Doch gerade bereue ich das …«, raune ich ihr zu und registriere, wie sie erschauert, gleichzeitig atmet sie tief ein. »Machst du das hier hauptberuflich?«

 

Faith lacht und fuck, der glockenhelle, melodische Klang lässt meinen Schwanz leicht zucken, während meine Hoden sich zusammenziehen.

 

»O Gott, nein, ich verdiene mir neben dem Studium was dazu«, erklärt sie. »Und du? Was tust du, wenn du nicht gerade Wohltätigkeitsveranstaltungen besuchst?« Interessiert mustert sie mich, mein Blick hingegen landet auf ihrem Mund. Die Oberlippe ist herzförmig geschwungen, darüber hinaus hat sie über ihrem rechten Mundwinkel einen winzigen Leberfleck.

 

»Ähm, ich habe vor kurzem mein Studium beendet und befinde mich derzeit in einer Art Zwischenphase.« Faith runzelt die Stirn und ich kann ihr das nicht wirklich verübeln. Was ich da von mir gegeben habe, klingt schwammig. »So lange jobbe ich in der Eventmanagement-Firma meiner Tante.« Dass Tante Emilia nach wie vor beinahe ausschließlich die Belange von Gravity vertritt, möchte ich ihr nicht erzählen, dann hält sie mich vermutlich endgültig für jemanden, der sich von seiner Verwandtschaft aushalten lässt. Mich kotzt es selbst an, dass ich mit meinen vierundzwanzig Jahren noch keinen rechten Schimmer habe, was ich mit meinem Leben anfangen will.

 

Natürlich ist es ein Luxusproblem, so viele Optionen zu haben, aber andererseits schauen auch viele Leute mit Argusaugen darauf und zu scheitern oder sich kurzerhand umzuentscheiden, kommt nicht in Frage. Dann bin ich erst recht der verwöhnte Sohn, der ich eben unbedingt nicht sein will. Dass ich mir letztlich genau damit unnötig selbst im Weg stehe, ist mir klar, aber ich kann nun einmal nicht aus meiner Haut.

 

»Colton?«, murmelt sie und ich ziehe fragend eine Augenbraue hoch. »Vielleicht sollte ich klarstellen, dass mir durchaus bewusst ist, wer du bist oder besser gesagt, wer deine Eltern sind.«

 

Seufzend schließe ich für einen Moment die Augen. »Sorry, ich hatte nicht vor, dir das vorzuenthalten, aber ich wollte auch nicht, dass du denkst, ich würde meinen Status dazu benutzen, um dich anzubaggern.« Als ich die Lider wieder öffne, ist ihr Ausdruck amüsiert und unwillkürlich muss ich ebenfalls grinsen.

 

»Schon gut … du wolltest mich also anbaggern?« Ihre Stimme hat einen eindeutig flirtenden Unterton angenommen.

 

»Das kommt ganz darauf an …«, erwidere ich und verringere die Distanz zwischen uns. Faith bleibt, wo sie ist, sie weicht nicht zurück, das werte ich als gutes Zeichen.

 

»Worauf?«, fragt sie ein bisschen atemlos nach.

 

»Darauf, ob du …« Ich stocke abrupt, als die Doppel-Tür zur V.I.P.-Lounge auf- und mit einem Krachen gegen die Wand fliegt. Als Saint, flankiert von Deacon und Landon, im Türrahmen erscheint, stöhne ich.

 

Fuck! Ihr Timing könnte echt nicht beschissener sein!


Kapitel 2

 

Faith

 

 

 

Erschrocken fahre ich zusammen, als hinter mir ein Krachen ertönt. Colton stockt mitten im Satz, stöhnt danach auf und sieht angefressen an mir vorbei. Als ich über meine Schulter schaue, um zu sehen, wer die V.I.P.-Lounge betreten hat, entdecke ich Saint Davenport sowie Deacon und Landon Ashby. Die drei sind mir ebenso wie Colton Griffith ein Begriff, obwohl sie selbst nicht im Musikbusiness tätig sind.

 

Man müsste schon blind und taub unter irgendeinem Stein hausen, um nicht zu wissen, dass die vier zum Nachwuchs von Kanadas seit weit mehr als einem Vierteljahrhundert erfolgreichsten Rockband gehören. Gravity in Kanada nicht zu kennen, ist ebenso undenkbar, wie von dem Sport Eishockey noch nie etwas gehört zu haben. Beides gehört quasi zur Seele unseres Landes.

 

Saint, der wie eine jüngere Ausgabe seines Vaters aussieht, hält mit einem süffisanten Grinsen auf den Lippen auf uns zu. Die Zwillinge folgen ihm, während sie dabei sind, sich wegen irgendetwas gegenseitig zu foppen und immer wieder anzurempeln. Rasch will ich mich erheben, da es wohl nicht länger angebracht ist, dass ich hier mit Colton auf dem Zweisitzer hocke, als wäre ich ebenfalls ein Gast. Doch seine Finger um mein Handgelenk stoppen mich. Er zieht mich so abrupt auf den Platz neben sich zurück, dass ich ein wenig aus dem Gleichgewicht gerate und halb gegen ihn falle.

 

»Bleib«, befiehlt er mir, während ich noch damit beschäftigt bin, was seine Hand auf meiner nackten Haut in mir auslöst. Mein Herz flattert aufgeregt in meiner Brust, gleichzeitig fühlt sich mein Bauch mit einem Mal an, als würde ein Schwarm wilder Hornissen in ihm verrückt spielen.

 

Nicht, dass ich ihn nicht schon vorher attraktiv und anziehend gefunden habe, doch das ist nichts im Vergleich zu dem, was in diesen Sekunden mit mir passiert. Ich glaube, ich bin schockverliebt, so würde es meine beste Freundin Mia jedenfalls ausdrücken.

 

»Sorry wegen der Verspätung, Alter«, begrüßt Saint Colton, danach mustert er mich neugierig. »Scheint aber, als hättest du dich auch ohne uns ganz gut amüsiert.« Der frotzelnde Unterton in seiner Stimme bringt den Mann neben mir dazu, einen entnervten Laut von sich geben. »Was denn? Oh, warte … sind wir gerade etwa Cockblocker?« Lässig lässt er sich in den Sessel mir gegenüber fallen und grinst unverschämt.

 

»Tut euch keinen Zwang an, wir sind nicht prüde und garantiert wollen wir nicht die Sexverhinderer sein«, kommt es von Deacon, der seine Haare ein wenig länger trägt als sein Zwillingsbruder. Nur daran kann ich sie unterscheiden. Landon nickt lediglich zustimmend. Die beiden nehmen auf dem schräg neben unserem stehenden Dreisitzer Platz und starren uns ebenso interessiert an, wie Saint es tut. Mir selbst hat es angesichts Saints frecher Bemerkung die Sprache verschlagen, dabei bin ich sonst nicht auf den Mund gefallen.

 

»Sorry, Faith, aber bei Saint war durch seine Gene nichts zu machen und die Zwillinge … sagen wir, ihre Eltern entschuldigen sich nahezu täglich irgendwo für ihre Söhne. Ihr Daddy behauptet steif und fest, dass sich das bei ihnen verwächst, sobald sie sich die Hörner abgestoßen haben«, erklärt Colton mir, woraufhin Saint entrüstet die Arme vor der Brust verschränkt und die Zwillingsbrüder unisono die rechte Augenbraue hochziehen.

 

»Wann soll das sein?«, erkundige ich mich bei Colton, der daraufhin so rau lacht, dass sich mein Unterleib zusammenzieht.

 

»Das frage ich mich auch jedes Mal, bis mir einfällt, dass ihr Vater schon auf die Dreißig zuging, als das allmählich eintrat … Gott stehe uns bei, da haben wir noch ein paar Jahre zu leiden.«

 

»Hey, wir können euch hören!«, rufen Deacon und Landon, Saint lässt unsere Unterhaltung unkommentiert, zeigt aber dafür Colton den Mittelfinger.

 

»Jetzt benimmt er sich wieder wie Mini-Logan«, kommt es von Colton. »Sein Dad benutzt den Mittelfinger nach wie vor als bevorzugtes Kommunikationsmittel, wenn er nicht mehr weiter weiß und in irgendeiner Art dagegen ist.«

 

»Wichser.« Nach diesem einen Wort fokussiert sich Saint auf mich. »Schätzchen, bringst du mir bitte einen Whiskey? Möglichst alt, möglichst teuer.« Mit einem Nicken erhebe ich mich, doch sein Schnalzen lässt mich innehalten.

 

»Schlimm genug, dass du sie so herablassend Schätzchen nennst … aber hast du gerade tatsächlich geschnalzt, als wäre Faith ein Hund oder Pferd?!«, blafft Colton ihn an, was ich irgendwie süß finde. Dennoch muss ich ihn bremsen, immerhin ist es mein Job, den V.I.P.-Gästen jeden Wunsch zu erfüllen.

 

»Schon gut, das stört mich nicht, weder das Schnalzen, noch der abgeschmackte Kosename«, beruhige ich ihn daher.

 

»Doch mir macht es was, ich habe sowohl dir als auch euch beiden bereits mehr als hundertmal gesagt, ihr sollt euch nicht so versnobt aufführen«, wendet Colton sich an Saint und die Zwillinge.

 

Saint verdreht die Augen. »Erst einmal habe ich Bitte drangehängt, im Übrigen war ich noch nicht fertig mit meiner Bestellung, Penner.« Lächelnd konzentriert er sich erneut auf mich. »Ich hätte gern ein paar von diesen phänomenalen Würstchen im Schlafrock, die es das letzte Mal hier gab, außerdem …«

 

»Würstchen im Schlafrock? Wie alt bist du? Zwölf?«, grätscht Colton dazwischen, den es irgendwie extrem zu nerven scheint, dass die Jungs aufgetaucht sind.

 

»Fick dich, du hast die Dinger doch selbst erst neulich tellerweise in dich hineingeschaufelt, als hättest du vorher tagelang gefastet!«

 

»Wie wär’s, wenn ihr aufhört, euch deswegen zu streiten?«, versuche ich, zwischen den beiden zu schlichten. »Je schneller ich die Bestellungen der drei habe, desto eher bin ich wieder bei dir.« Gewinnend lächele ich bei meinen letzten Worten Colton an, der daraufhin mit Daumen und Zeigefinger über seine Lippen fährt und mir so signalisiert, dass er die Klappe halten wird.

 

»Hör auf die Kleine, sie weiß, was gut für dich ist«, setzt Saint noch eins obendrauf. Er ist vielleicht ein Schnösel, aber irgendwie auch amüsant.

 

Geduldig lasse ich mir von ihm seine diversen Extra-Wünsche mitteilen, danach nehme ich die deutlich kürzere Bestellung der Zwillinge entgegen und husche zunächst zur Bar, um die Getränke zu ordern. Anschließend mache ich mich daran, am Büffet die jeweiligen Teller voller Fingerfood zusammenzustellen.

 

Eine meiner Kolleginnen hilft mir dabei, nicht, ohne immer wieder verstohlene Blicke zu den vier Jungs zu werfen. »Gehst du später mit ihm nach Hause?«, raunt sie mir zu und deutet mit dem Kopf in Coltons Richtung.

 

Ich starre sie perplex an. »Was?! Nein! Sicher nicht!«, antworte ich etwas zu rasch, um wirklich glaubwürdig zu wirken.

 

»Schon klar«, gibt sie prompt auch mit einem zuckersüßen Lächeln zurück. »Colton Griffith verschlingt dich mit den Augen, aber du stößt ihn von der Bettkante.« Ich folge ihrem Blick und treffe auf seinen. Seine Lippen verziehen sich zu einem Grinsen. Verlegen schlage ich die Lider nieder und wende mich wieder meiner Arbeitskollegin zu. »Vielleicht kannst du mich den anderen kurz vorstellen? Ich würde sicher nicht nein sagen, wenn einer der Jungs mich mit in sein Bett nehmen möchte …«

 

»Okay, ich mache dich bekannt, Trisha, aber den Rest musst du schon selbst erledigen.«

 

Sie nickt mit einem Strahlen in den Augen, räumt einen Teil der Teller mit dem Fingerfood auf ihr Tablett und folgt mir, nachdem ich auch die mittlerweile fertigen Drinks von der Bar geholt habe.

 

Wir servieren und ich werfe nebenbei ihren Namen ein, woraufhin sie sogleich ziemlich eindeutig mit Saint zu flirten beginnt. Ein wenig peinlich berührt lasse ich mich auf Coltons Bitte hin wieder neben ihn auf die Couch sinken. Trisha hingegen hockt sich auf die Lehne von Saints Sessel, beugt sich zu ihm hinunter und gewährt ihm so einen reichlich freizügigen Einblick in ihre Bluse.

 

»Wo waren wir stehengeblieben?«, raunt Colton mir ins Ohr und ein Beben geht durch meinen Körper, als sein warmer Atem die nackte Haut meines Halses streift. »Ach ja, bei der Frage, ob ich dich anbaggere … der Tatsache, worauf es bei der Antwort ankommt …«

 

Als ich ihm den Kopf zuwende, ist sein Gesicht so dicht vor meinem, dass ich die hellen Sprenkel in seinen faszinierend blauen Augen registriere. Mein Blick huscht über seine Gesichtszüge, er ist die ideale Mischung aus seiner Mom und seinem Dad. Hohe Wangenknochen, ein markantes Kinn mit einem sexy Grübchen und Lippen, die genau die perfekte Form und Fülle zum Küssen haben. Ein leichter Bartschatten, der ihm zusammen mit den verwuschelten dunkelblonden Haaren ein verwegenes Aussehen verleiht … was auch immer ich noch habe denken wollen, ist weg, als er den Abstand zwischen uns weiter verringert.

 

»Würde es dich stören, wenn es so wäre?« Sein rechter Mundwinkel zuckt ein wenig nach oben, als ich vorsichtig mit dem Kopf schüttele. »Heißt das, wenn ich dich nach einem Date frage, sagst du nicht Nein?« Über seine Miene huscht kurz ein Schatten, als ich den Kopf lediglich abwägend hin und her wiege. »Was muss ich tun, um daraus ein eindeutiges Kopfnicken zu machen?«

 

»Mir dein Telefon geben.« Dass ihn meine Antwort mehr als bloß leicht verwirrt, ist ihm deutlich anzusehen. Doch schließlich reicht er mir tatsächlich sein Smartphone, nicht, ohne es vorher zu entsperren.

 

»Erklärst du mir, was es damit auf sich hat?« Nickend öffne ich seine Kontaktliste, scrolle kurz durch sie hindurch und atme dann erleichtert auf. Mädchennamen sind in ihr zwar vorhanden, aber weder überproportional, noch führt er wie mein letzter Exfreund eine spezielle Hitliste mit Weibern, die er für mehr als einmal fickbar hält. Nie wieder werde ich einen Mann daten, der Kontakte in seiner Liste mit Schlampe 1 bis 4 oder Deepthroat-Kathy betitelt.

 

»Einschlägige Negativerfahrungen, ich wollte mich bloß vor einer fiesen Überraschung schützen«, wispere ich, gleichzeitig speichere ich ihm meine Nummer in sein Handy. Danach gebe ich es ihm zurück und lächele. »Danke für dein Vertrauen, ich weiß, dass das alles andere als selbstverständlich ist. Gerade für jemanden wie dich muss das ziemlich übergriffig gewirkt haben.«

 

Colton beugt sich zu mir und bringt seinen Mund dicht an mein Ohr. »Also habe ich diesen Test bestanden und du gehst mit mir aus?« Seine körperliche Nähe wirft mich völlig aus der Bahn, der moschusartige, maskuline Duft, der ihn umgibt, triggert all meine Sinne und lässt mich seufzen. »Faith?«, hakt er nach und schenkt mir ein Lächeln, bei dem mein Höschen feucht wird. Verdammt, das ist mir echt noch nie passiert! »Ich würde dich wirklich gern kennenlernen. Ohne dieses Terror-Trio.« Mir ein Lachen verkneifend schaue ich kurz zu Saint, der immer noch mit meiner Kollegin flirtet, danach zu den Zwillingen, die unsere Unterhaltung äußerst interessiert verfolgen.

 

»Ich dich auch«, gestehe ich offen und erhebe mich, als die Türen zur V.I.P.-Lounge sich erneut öffnen und der erste Schwung Gäste eintrudelt. »Ruf mich an, dann machen wir was aus.«

 

Coltons Mund verzieht sich zu einem sinnlich-strahlenden Lächeln. »Das werde ich tun.«

 

Den Rest des Abends haben wir keine wirkliche Gelegenheit, noch einmal miteinander zu sprechen. Mehr als verstohlene Blicke sind nicht drin, doch als er geht, deutet er mir mit den Fingern an, dass er mich anrufen wird.

 


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