Leseprobe

 

Neugierig? Dann hol dir hier schon einmal einen Appetithappen.

Das Werk ist am 05.03.2021 erschienen.



 

Kapitel 1

 

Sloane

 

 

 

Wenn ich in seinen Armen lag, war meine Welt perfekt. Es kam mir vor, als würde mir niemand etwas tun können, weil Reed mich beschützte.

 

Vor allem und jedem.

 

Ich schaute nach oben, in das schlafende Gesicht von Reed McNamara, jenen Mann, den ich von Herzen liebte und der mir nicht nur einmal das Leben gerettet hatte. Wenn ich ihn gelegentlich nicht gehabt hätte, würde ich heute wohl nicht mehr da sein.

 

Ich rückte ein wenig zurück, damit ich ihn besser betrachten konnte. Das tat ich unwahrscheinlich gerne, womöglich würde ich mich niemals an ihm sattsehen können. Das lag aber mit daran, dass er unglaublich schön war. Sein fast schwarzes Haar trug er oben etwas länger als an den Seiten. Leichte Wellen waren zu erkennen. Wenn er mich mit seinen dunklen, beinahe schwarzen Augen ansah, schmolz ich wie Butter in der Sonne. Hinzu kam seine muskulöse Brust, die immer breiter zu werden schien. Jenes war wohl dem Umstand geschuldet, dass Reed vier Mal in der Woche ins Fitnessstudio ging, um zu trainieren. Er nannte es seinen Ausgleich zum Studium, vor allem aber tat er es, um seinen Kopf frei zu bekommen.

 

Reed studierte an der Boston University Fotografie und Fotodesign, am Ende der Ausbildung wollte er seinen Bachelor in beiden Bereichen absolvieren. Als zweites Studienfach wählte er Betriebswirtschaftslehre. Für ihn war es immer schon ein Traum gewesen, in der Metropole Boston zu studieren, dort für immer zu leben und eines Tages auch zu arbeiten. Sein Traum schien in Erfüllung zu gehen. Er war ein kluger aber auch künstlerisch begabter Mann und ich konnte mir ihn überhaupt nicht mehr ohne seine Kamera vorstellen, die er immer und überall mit hinschleppte.

 

Er hatte für sich den perfekten Weg gefunden.

 

Irgendwann, davon war ich überzeugt, würde er es ganz weit bringen. Womöglich ein erfolgreicher und berühmter Fotograf werden. Von Herzen würde ich es ihm wünschen.

 

Was mich aber regelmäßig traurig stimmte, war die Entfernung, die zwischen San Diego und Boston lag. Was mir blieb, war nur, allabendlich seine Stimme zu hören, wenn wir telefonierten. Ich vermisste ihn schrecklich, jedoch sagte ich ihm das nicht, weil ich nicht wollte, dass er ein schlechtes Gewissen bekam.

 

Bald würde es bei mir auch soweit sein. In zwei Wochen erhielt ich mein Abschlusszeugnis der Senior High. Seinerzeit hatte ich mich für ein Voll- und Teilstipendium beworben, da meine Noten herausragend waren. Lange musste ich auf eine Antwort warten, doch das Warten hatte sich gelohnt, denn ich erhielt von mehreren Universitäten ein volles Stipendium, was mich beinahe in die Ohnmacht getrieben hätte. Darunter waren London und auch Boston gewesen. Ich musste mich nur noch entscheiden. Wobei? Das war eigentlich keine Frage, ich wusste genau, wohin ich wollte: zu Reed nach Boston. Doch ich hatte Angst, ihn mit dieser Wahl einzuengen, weshalb ich ihm von der Zusage noch gar nichts erzählt hatte. Irgendwie hatte sich der richtige Moment noch nicht ergeben, oder aber ich war einfach nur ein feiges Huhn. Letzteres könnte es durchaus sein.

 

Reed bewegte sich neben mir und schmatzte, was mich zum Schmunzeln brachte. Ich mochte es, wenn er leise schnarchte und dabei diese seltsamen Geräusche machte. Eigentlich mochte ich alles an ihm … falsch, ich liebte alles an ihm.

 

Dass ich hier mit dem Mann meiner Träume lag, glich einem Wunder. Meinem persönlichen Wunder. Niemals hätte ich für möglich gehalten, dass wir beide eines Tages zusammenfinden würden. Ich erinnerte mich noch sehr genau, wie es vor sechs Jahren anfing:

 

 

 

Damals, Reed war fünfzehn Jahre und ich zwölf, zog er mit seiner Familie direkt in das freistehende Haus neben uns ein. Von der ersten Sekunde an, konnte ich meine Augen nicht von dem gut aussehenden Jungen mit den dunklen Iriden lassen und, obwohl ich noch fast ein Baby gewesen war, hatte ich mir vorgestellt, wie ich ihn eines Tages heiraten würde. Doch meine drei Jahre ältere Schwester hatte ebenfalls ein Auge auf Reed geworfen, weshalb ich direkt auf Abstand gegangen war, denn gegen Candice hatte ich einfach keine Chance. Sie war eines der beliebtesten Mädchen der Highschool, blond, groß, dünn und wunderschön. Mit meinen – zu dem Zeitpunkt – ein Meter fünfzig war ich deutlich kleiner. Darüber hinaus besaß ich schwarze lange glatte Haare, grüne Augen und war schlank, aber ganz gewiss nicht so dünn wie Candice. Ich war eher der Kumpeltyp, Candice diejenige, die sich vor Date-Anfragen kaum retten konnte.

 

Dummerweise war sich meine Schwester ihrer Wirkung auf die männliche Bevölkerung durchaus bewusst, was sie auch gerne ausnutzte. Ich war nicht der größte Fan von Candice, das war ich nie gewesen.

 

Zu meiner Überraschung jedoch sprach mich Reed eines Tages nach Schulschluss an. Der Junge, dem so viele Mädchen hinterherliefen, war so unglaublich höflich gewesen, stellte sich mir vor und fragte, ob er mich nach Hause begleiten dürfe. Natürlich hatte ich sofort zugestimmt, mich aber dennoch gewundert, warum er mit mir und nicht mit Candice seine Zeit verbringen wollte. Schließlich hatte meine große Schwester sich viel Mühe gegeben, seine Aufmerksamkeit für sich zu gewinnen, doch aus irgendeinem Grund ließ er sie abblitzen, was ihn in meinen Augen noch umwerfender machte.

 

 

 

Die Jahre zogen ins Land. Reed und ich wurden zu guten, wenn nicht sogar zu besten Freunden. Zu meinem Leidwesen schien er aber, außer platonischen Gefühlen, nichts weiter für mich zu empfinden. Einerseits stimmte mich das unendlich traurig, andererseits machte es mich aber auch glücklich und stolz, dass ich seine Freundin war.

 

Was mir allerdings regelmäßig den Boden unter den Füßen wegriss, war, dass ich ständig dabei zusehen musste, wie er irgendwelche Mädchen küsste, sogar mitbekam, wie er mit der ein oder anderen hinter der Turnhalle verschwand. Wenn ich mal das Glück hatte, davon nichts mitzubekommen, erzählte er mir einige Details auf dem Nachhauseweg.

 

Trotz des Wissens, dass es für mich gesünder wäre, mich zu entlieben – schließlich war ich nicht völlig bescheuert – bekam ich es nicht hin, ihn aus meinem Herzen zu verbannen. Niemals, das war mir immer klar gewesen, würde Reed mich als Mädchen bemerken, sondern nur als Kumpel. Und ich musste zugeben, als bester Freund war er unschlagbar, auf jeden Fall für mich.

 

 

 

Abermals bewegte sich Reed und als ich ihn ansah, erkannte ich, wie seine Lider zu flattern begangen. Ein Lächeln stahl sich auf seine Lippen und wieder konnte ich die Schmetterlinge in meinem Bauch nicht beruhigen. Sie flogen fast schon Loopings.

 

»Geht es dir gut?«, wollte Reed wissen und tupfte mir einen Kuss auf die Stirn.

 

Ich konnte mir gerade so ein Seufzen verkneifen. Erneut kuschelte ich mich an ihn, küsste ihn auf die nackte Brust.

 

»Mir ging es noch nie besser.« Und das stimmte auch. Niemals zuvor war ich glücklicher und zufriedener gewesen.

 

»Erzähl mir, was der Penner wieder mit dir angestellt hat«, forderte Reed mich auf, woraufhin ich mich am ganzen Körper verspannte. »Ich habe nie gefragt, aber so langsam kann ich mich nicht mehr zurückhalten. Rede mit mir.«

 

Ich musste hart schlucken, Tränen bildeten sich in meinen Augen. Damit er die aufkommende Schwäche nicht erkannte, lehnte ich meine Wange auf seinen freien Oberkörper und kniff die Lider zusammen.

 

Über die gesamten Jahre hatte ich nie mit ihm oder mit überhaupt jemandem über meine häusliche Situation gesprochen. Einerseits, weil es mir peinlich war und andererseits, weil ich nicht wollte, dass mich irgendwer als Opfer betrachtete. Und obwohl ich schwieg wie ein Grab, erkannte ich regelmäßig in Reeds Blick, dass er genau wusste, was mein brutaler versoffener Vater mir antat. Nicht nur einmal hatte er mich auf dem Dach vor meinem Zimmerfenster weinend sitzen gesehen. Anstatt mich zu ignorieren oder einfach wegzusehen, kletterte er andauernd an dem Rankengitter zu mir nach oben und nahm mich wortlos in den Arm. Das war in den letzten Jahren nicht selten vorgekommen.

 

»Lass uns nicht darüber sprechen«, flüsterte ich, meine Lippen fingen zu zittern an.

 

»Sloane, ich habe dich bislang damit in Ruhe gelassen«, murrte Reed. »Doch deine Verletzungen sind mir nie entgangen, ich sah sie immer. Auch erinnere ich mich noch sehr gut, was an deinem siebzehnten Geburtstag geschehen ist. Über den achtzehnten wollen wir erst gar nicht sprechen. Und gestern muss wieder etwas vorgefallen sein. Die blauen Flecken auf deinem Körper erzählen Bände. Ich möchte jetzt gerne Antworten, sonst schwöre ich dir, hole ich sie mir auf anderem Wege.«

 

Abermals kniff ich meine Lider ganz fest zusammen. Noch immer konnte ich mich an letztes Jahr und an die Jahre davor erinnern.

 

Weihnachten, an meinem siebzehnten Geburtstag, hatte mein Vater mal wieder über den Durst hinaus getrunken. Ich hatte mich erdreistet, mir von meiner Geburtstagstorte ein zweites Stück zu gönnen, weshalb er komplett ausgerastet war. Er hatte solange auf mich eingeschlagen, bis ich ohnmächtig geworden war. Als ich aufwachte, lag ich noch immer auf dem Wohnzimmerteppich. Weder Candice noch Mom hatten mir geholfen. So, wie immer. Warum mein Vater mich dermaßen hasste, wusste ich bis heute nicht. Aber seine Abneigung war mein ganzes Leben zu spüren. Körperlich, wie seelisch. Nun, und meiner Mutter war ich einfach nur egal. Jedenfalls gab sie mir das an jedem Tag zu verstehen.

 

Was Candice betraf, so hatte ich nie ein besonders gutes Verhältnis zu ihr. Im Gegensatz zu mir, verstand sie sich mit Dad ausgezeichnet. Es gab kaum eine Gelegenheit, in der sie mir genau dieses Detail nicht unter die Nase rieb. Nein, wir waren nur auf dem Papier blutsverwandt. Etwas anderes, außer unserer DNA, teilten wir uns nicht.

 

An jenem Abend, als Dad mich so geschlagen hatte, war ich auf das Dach gestiegen, hatte lange nach unten gesehen und mich kurzerhand entschieden, meinem Leben endlich ein Ende zu bereiten. Mir hatte es einfach gereicht, ich konnte nicht mehr und ich wollte die Schläge, die Erniedrigungen und Demütigungen nicht weiter ertragen. Ein Sturz vom Dach hätte meine Probleme umgehend gelöst. Vermisst hätte mich wohl niemand.

 

Doch bevor ich diesen letzten Schritt wagen konnte, war Reed aufgetaucht. Er hatte mich angesehen, meine Tränen mit seinen Daumen weggewischt und mich in den Arm genommen. Keine Ahnung, wie lange er mich gehalten hatte, doch es hatte sich wie eine Ewigkeit angefüllt.

 

Da ich mich in seiner Nähe aber nicht wieder verlieren wollte, hatte ich mich von ihm gelöst und ihn angelächelt, als sei alles gar nicht so schlimm. Reed jedoch hatte mich nicht losgelassen, auch nicht gelächelt, nein, er hatte mich auf eine Weise betrachtet, die mein Herz für einen Moment ins Stolpern brachte. Völlig unerwartet hatte er sich vorgebeugt und mir meinen ersten richtigen Kuss gegeben. Noch immer konnte ich die Schmetterlinge in meinem Bauch fühlen, die in diesen Sekunden zu flattern anfingen. Die Welt hatte einen Moment für mich stillgestanden.

 

Jener Augenblick lag eineinhalb Jahre zurück. Natürlich wartete mein Vater nicht immer auf meine Geburtstage, um sich an mir auszulassen, nein, er prügelte einfach, wenn er die Lust dazu verspürte. Zu meinem Bedauern überkam sie ihn oft. Aber an meinen Geburtstagen hasste er mich anscheinend ganz besonders, als verfluche er den Tag meiner Geburt. Anders konnte ich mir das nicht erklären.

 

Vor knapp einem halben Jahr, an meinem achtzehnten Geburtstag, hatte ich mal wieder ein paar Ohrfeigen kassiert, ich wurde geschubst und in den Rücken getreten. Dieses Mal war ich nicht ohnmächtig geworden, sondern war aufgestanden und auf mein Zimmer gegangen, wo ich mich in den Schlaf geweint hatte.

 

Gestern hatte ich ihm einfach im Weg gestanden, weshalb er mir ins Gesicht schlug und mich mit dem Ledergürtel verprügelte, den er gerne benutzte, weil ihm seine Hand irgendwann wehtat, wie er mal verlauten ließ. Ich hatte einige Striemen am Körper, doch es war nicht so schlimm gewesen wie sonst.

 

Heute Morgen war Reed angereist und allein sein Anblick ließ meine Sorgen verschwinden. Meine Verletzungen im Gesicht konnte ich mit viel Make-up kaschieren, doch die blauen Flecken und Striemen konnte Reed deutlich erkennen, schließlich schliefen wir miteinander.

 

»Sloane«, holte Reed mich aus meinen Gedanken.

 

Vorsichtig rutschte ich etwas zurück, hob meinen Kopf und sah meinen Freund an.

 

»Ich möchte nicht über ihn reden«, sagte ich entschlossen. »Unsere gemeinsamen Momente dauern nie lange an, ich möchte unsere wenige Zeit für positive Dinge nutzen. Was ich aber unter gar keinen Umständen möchte, ist, dass du mit meinem Vater in Kontakt trittst. Bitte, halte dich einfach fern von ihm.«

 

Allein der Gedanke, Reed könnte ins Visier meines psychopathischen Vaters geraten, machte mich krank. Mit aller Kraft würde ich verhindern, dass mein Erzeuger seine Aufmerksamkeit auf Reed lenkte. Egal, was es mich kostete, das würde ich niemals zulassen.


 

 

Kapitel 2

 

Reed

 

 

 

»Du verlangst eine ganze Menge von mir«, knurrte ich.

 

Langsam machte ich mich von Sloane los und schob mich vom Bett. Aus meiner Kommode holte ich eine frische Shorts heraus, die ich mir anzog. Erst dann wandte ich mich dem Bett wieder zu, wo sich mein Mädchen befand, das mich mit Tränen in den Augen ansah und ihre Nacktheit mit der Decke bedeckte. Sloane hatte sich aufrecht hingesetzt, die Knie an ihre Brust gezogen. Ich wollte keinen Streit mit ihr beginnen, doch so langsam hatte ich keine Kraft mehr, meine Wut, meinen Hass gegenüber Murray Hustle zu unterdrücken. Jedes Mal, wenn ich von der Uni nach Hause kam, hatte sie neue Verletzungen. Nie sprach sie mit mir darüber. Doch seit über einem Jahr führten wir eine Beziehung und dieses Mädchen bedeutete mir eine ganze Menge. Mir machte es zu schaffen, dass ihr regelmäßig wehgetan wurde und sie sich niemandem anvertraute. Nicht mal mir.

 

Darüber hinaus frustrierte es mich, dass wir niemandem erzählen konnten, dass wir ein Paar waren. Nicht, dass ich es in die Welt hinausgeschrien hätte, aber es wäre nett gewesen, mit ihr bei meinen Freunden auftauchen zu können, anstatt immer alleine zu irgendwelchen Partys gehen zu müssen. Im Gegensatz zu ihr hatte ich keine Angst vor ihrem Erzeuger, Sloane schien aber regelrecht Panik zu haben. Für sie musste er ein Monster sein und sie wollte mit allen Mitteln verhindern, dass irgendjemand etwas von uns erfährt.

 

Anfangs hatte ich gedacht, dass sie sich für mich schämte, doch so war es nicht. Vielmehr wollte sie mich beschützen, obwohl ich darum nie gebeten hatte. Immerhin konnte ich selbst auf mich aufpassen, egal, was für einen Ruf Murray in der Stadt besaß. Sogar die Bullen hier in der Gegend hatten die Hosen voll, wenn es um den ehemaligen Soldaten ging, der in seinem Haus mehr Waffen besaß als eine ganze Armee. Das war in der unmittelbaren Nachbarschaft bekannt und Sloane hatte mir das Gerücht bestätigt.

 

Murray Hustle war für seine Impulsivität und Aggressivität bekannt, nicht zu vergessen, seinen Alkoholkonsum. In meinen Augen war er ein Sadist, ein Psychopath und sollte weggesperrt werden. Dummerweise stellte sich ihm niemand in den Weg. Die Menschen wechselten sogar die Straßenseite, erkannten sie ihn.

 

Jedem in unserem Viertel war geläufig, dass Sloane und Candice kein einfaches Leben hatten. Sloanes ältere Schwester hatte sich mir vor einigen Jahren unter Tränen anvertraut, mir Details ihrer häuslichen Situation offenbart. Davon durfte ich Sloane nur nichts verraten, das musste ich Candice hoch und heilig versprechen. So wie es aussah, hatten die beiden Geschwister sich geschworen, dieses Geheimnis mit ins Grab zu nehmen. Eigentlich hätte ich meiner Kleinen davon berichten müssen, aber ich hatte ein Versprechen gegeben, und solche brach ich nicht. Das hatte ich noch nie getan. Auch, wenn ich es hasste, Sloane etwas zu verheimlichen. Wobei? Sie tat es im Umkehrschluss bei mir ebenfalls.

 

»Ich weiß nicht, warum du ausgerechnet heute über all das reden möchtest.« Sloane wischte sich eine Träne von ihren Wangen und schaute zur Seite. Noch so eine Sache, die ich verabscheute. Wieso wollte sie sich bei mir nie fallen lassen? Vertraute sie mir wirklich so wenig?

 

Langsam ging ich zurück zum Bett, nahm auf dem Rand Platz. Jetzt, in dieser Situation mit ihr über Dinge zu sprechen, die sie aufwühlten, würde uns nicht weiterbringen. Bei diesem Mädchen hatte ich schnell eines gelernt: Sobald man sie in eine Ecke drängte, machte sie dicht und ließ niemanden mehr an sich heran. Diesen Umstand wollte ich vermeiden, schließlich hatte ich noch einiges anderes mit ihr zu besprechen. Etwas, das ich mir in Boston überlegt hatte. Ich hatte eine Entscheidung getroffen. Eine Entscheidung für meine Zukunft … für unsere Zukunft.

 

»Ich will nicht, dass du zu ihm zurückgehst«, sagte ich schon deutlich versöhnlicher und nahm ihre Hand in meine. »Komm mit mir«, platzte es endlich aus mir heraus.

 

Sloanes Kopf schoss zu mir, unsere Blicke trafen sich. In ihren Augen konnte ich so viel Liebe und Zuneigung erkennen, dass mein Herz wild zu schlagen begann. Prompt machte sich ein schlechtes Gewissen in mir breit, weil ich ihr bislang noch nicht einmal gesagt hatte, wie sehr ich sie wirklich liebte. Sloane hatte mir ihre Liebe bereits gestanden und sie wurde nicht müde, es mir regelmäßig zuzuflüstern. Die einzige Antwort, die sie darauf von mir bekam, war ein einfaches dito. Zu mehr war ich nicht fähig.

 

So oft stand ich kurz davor, ihr die drei magischen Worte, die unfassbar viel zu bedeuten hatten, zu gestehen. Doch jedes Mal verschluckte ich mich beinahe an ihnen, weil sie sich in meinem Hals rau und kochend heiß anfühlten.

 

»Ist das wirklich dein Ernst?«, hakte sie vorsichtig nach, als würde sie mir nicht so recht glauben.

 

»Absolut«, äußerte ich mich bestimmend, beugte mich vor und küsste sie auf den Mund. »In Boston hast du die Möglichkeit, von vorne anzufangen. Wir haben die Möglichkeit. Mit deinen Noten wird die Uni dich mit Kusshand nehmen. Und wenn nicht, fällt uns etwas anderes ein. Meine Wohnung ist nicht sonderlich groß, für uns beide reicht sie aber allemal. Was sagst du?«

 

Sloane schien zu überlegen, was mich stutzig machte. Warum zögerte sie?

 

»Also, um ehrlich zu sein …« , druckste sie herum, weshalb ich eine Augenbraue hob. Was kam jetzt? »Ich bin bereits an der Uni in Boston angenommen worden«, gestand sie mir, was mich für einen kurzen Moment tatsächlich sprachlos machte. Sloane hatte sich an der Uni in Boston beworben, ohne es mir zu erzählen?

 

»Warum hast du mir nichts gesagt?«, wollte ich wissen.

 

Mein Mädchen zuckte mit den Schultern. »Irgendwie kam es mir falsch vor, mich dort zu bewerben, weil ich nicht wollte, dass du denkst, ich will dich einengen oder sowas. Allerdings ist für mich schon vor Monaten klar gewesen, dass ich mich in Boston bewerbe. Schließlich sind wir zusammen und ich will aus San Diego weg. Andererseits habe ich mich auch noch an anderen Universitäten beworben und von einigen Zusagen erhalten. Nur habe ich noch keiner zugesagt.«

 

»Du musst unbedingt aufhören, dir so viele Gedanken zu machen«, bat ich sie und seufzte. Ich ließ ihre Hand los, stand auf, nur um mich anschließend direkt neben sie zu setzen. Meinen Arm legte ich um ihre Schultern und zog sie an mich. »Wir sind zusammen und ich will, dass du aus dieser verkackten Stadt verschwindest. Soeben habe ich dich gebeten, bei mir einzuziehen. Also, wie lautet deine Antwort?«

 

»Ja, ich will unbedingt mit dir zusammenziehen«, antwortete sie mir.

 

Wir schauten uns an, sie lächelte. Abermals gab ich ihr einen Kuss.

 

»Ich will einfach, dass du in Sicherheit bist«, gab ich ihr zu verstehen und lehnte meine Stirn an ihre. »Wenn du deinen Alten nicht langsam verlässt, werde ich ihn eines Tages umbringen. Sollte er dich noch einmal schla…«

 

Bevor ich den Satz zu Ende sprechen konnte, drückte sie mir einen Finger auf die Lippen, wodurch ich in meinem Redefluss gestoppt wurde. In der nächsten Sekunde saß sie rittlings auf meinem Schoß und nestelte wild an meiner Shorts herum, die sie mir – mit meiner Hilfe – schnell auszog. Erneut nahm sie auf meinem Schoß Platz, mit ihren Händen streichelte sie mir über die Brust, was mir eine Gänsehaut verursachte.

 

»Ich will jetzt nicht mehr reden.« Ihre Stimme war heiser, ihre Haut warm. Ihren nackten Oberkörper ließ sie soweit sinken, dass er auf meinem zum Liegen kam. Gott, ich liebte es, wenn wir uns so nahe waren. Unsere Münder waren nur noch Millimeter voneinander entfernt.

 

Trotz der Spannung, die sich gerade zwischen uns auflud, musste ich auf ihren letzten Satz eingehen. »Du willst nie reden. Vor allem nicht über deinen Erzeuger.«

 

»Ich muss es schon erleben und aushalten, da will ich nicht noch darüber sprechen«, gab sie mir zu verstehen, womit sie mich schachmatt setzte. »Und jetzt, Reed, möchte ich von dir geküsst werden. Du bist bald wieder fort und ich will so viel wie möglich von dir haben.«

 

Für einen Moment betrachtete ich sie, wollte ihr sagen, dass es nichts brachte, sich vor der Realität zu verstecken. Jedoch schluckte ich die Worte herunter, denn mal ehrlich: Was wusste ich schon?

 

Im Gegensatz zu ihr wurde ich von meinen Eltern nicht geschlagen oder angeschrien. Nein, ich war in guten Verhältnissen aufgewachsen, meine Mom und mein Dad liebten mich und ich sie. Schon immer hatte ich ausreichend Freiheiten gehabt. Bereits vor Jahren, als wir nach San Diego gezogen waren, hatte ich meinen eigenen Bereich in diesem Haus bekommen. Zwar befand sich mein Zimmer im Keller, in dem ich mich gerade mit Sloane aufhielt, doch hier gab es auch ein Bad, einen Zugang zum Garten und einen separaten Eingang. Meine Eltern hatten mir immer vertraut und weiß Gott, das konnten sie auch. Mir hatte es nie an etwas gefehlt, weshalb ich nicht ansatzweise nachempfinden konnte, was Sloane tatsächlich durchmachte.

 

In Sekundenbruchteilen entschied ich mich, das Schweigen gerade eine tolle Idee war. Ich schlang meine Arme um ihren Körper und zog sie noch näher an mich heran. Meine Lippen presste ich auf ihre, wir küssten uns heiß und innig. Während unseres leidenschaftlichen Kusses, griff meine Kleine zwischen uns, umfasste meinen steifen Schwanz und führte ihn langsam in ihre feuchte Mitte. Es dauerte immer eine Weile, bis ich mich bis zum Anschlag in sie hineinschieben konnte, einfach, weil Sloane verdammt eng war.

 

Ich hatte vor ihr schon viele Mädchen gehabt. Sex war für mich sehr wichtig, war es schon immer gewesen. Doch keine hatte mich jemals das spüren lassen, was Sloane in mir entfachte. Mich tief in ihr zu versenken glich für mich fast schon einer Offenbarung. Niemals wieder wollte ich eine andere haben, Sloane war für mich wie geschaffen.

 

Nachdem ich sie vollständig ausfüllte, konnte meine Kleine sich ganz setzen und anfangen, ihre Hüften kreisen zu lassen. Und verdammt, das tat sie unglaublich gut. Für einen Moment schloss ich die Augen, genoss die Intensivität, die ich gerade spürte.

 

Die letzten Male hatten wir bereits ohne Kondom miteinander geschlafen, weil Sloane vor einigen Monaten mit der Pille angefangen hatte. Da sie noch siebzehn war, war ich doch sehr verwundert darüber, wie sie es geschafft hatte, ihre Mutter dazu zu bringen, die Zustimmung zu erteilen. Auf mein Nachhaken beichtete Sloane mir, dass sie die Unterschrift gefälscht und Dr. Lockley das auf jeden Fall erkannt, jedoch nichts gesagt hatte. Meiner Meinung nach war das auch das Mindeste, was der Arzt für mein Mädchen tun konnte. Schließlich gehörte er ebenfalls zu denjenigen, die vor den Prügelattacken durch ihren Vater die Augen verschlossen. Immerhin hatte er nicht nur einmal ihre Wunden versorgen müssen, jedoch nie Meldung darüber abgegeben. Er war es ihr einfach schuldig. So sah ich es.

 

Sloane war eine Kämpferin, sie musste bereits vor vielen Jahren erwachsen werden. So wie es aussah, hatte sie nicht mal eine schöne Kindheit gehabt, diese schien ebenfalls von Gewalt geprägt gewesen zu sein. Dass aus ihr dennoch solch ein wunderbarer Mensch geworden war, überraschte mich immer wieder.

 

Sloane Hustle war eine schöne Frau, innen wie außen. Sie tat viel für andere, wenig für sich. In erster Linie sorgte sie sich um die Menschen, die ihr etwas bedeuteten. Das Wort Egoismus kannte sie vermutlich gar nicht.

 

»Wenn du immer noch so viel denken kannst, mache ich etwas falsch«, hörte ich Sloane sagen, die sich aufrecht hinsetzte und etwas schneller ihre Hüften kreisen ließ.

 

Sie hatte recht, hier und jetzt war der denkbar ungeeignetste Moment zum Grübeln, weshalb ich mein Gehirn ausschaltete, mein Mädchen packte und auf den Rücken legte. Noch immer befand ich mich in ihr, dort, wo ich für immer bleiben wollte, wenn das nur möglich gewesen wäre.

 

Mit meinen Fingern strich ich ihr einige lose Strähnen aus dem Gesicht und streichelte ihr über die Wange.

 

»Sobald du dein Zeugnis hast«, sprach ich leise und sah ihr dabei tief in die Augen, »kommst du zu mir nach Boston. Ich werde alles vorbereiten und auf dich warten.«

 

Sie bedeutete mir alles und eines Tages, das spürte ich, würde ich ihr sagen, wie sehr ich sie liebte. Dafür brauchte ich nur noch etwas Zeit, ich war einfach noch nicht so weit.

 

»Ich werde zu dir kommen«, versprach sie mir mit flüsternder Stimme. »Das ist alles, was zählt: Dass wir zusammen sind.«

 

Genauso sah ich das auch. Es zählten nur noch sie und ich.

 

Abermals gab ich ihr einen Kuss, erst auf die Stirn, dann auf die Wangen, bevor ich ihre Lippen mit meinen verschloss. Dabei fing ich an, mich langsam aus ihr zurückzuziehen, um mich anschießend wieder vollends in ihr zu versenken. 

 

Wir stöhnten, krallen uns aneinander, als wollte keiner von uns den anderen jemals wieder loslassen.

 

Meine Bewegungen wurden schneller, ich befand mich ganz tief in ihr. Wir waren füreinander geschaffen. Zusammen waren wir perfekt.

 

Ihre Beine fanden den Weg um meine Hüften, die Füße übereinandergeschlagen. Sloane stöhnte lauter, aber immer noch leise genug, damit meine Eltern sie nicht hören konnten. Wir befanden uns zwar im Keller, doch über uns war das Wohnzimmer. Besonders dick waren die Wände und Decken nicht, das hatte mein Vater mir mal zu verstehen gegeben. Immerhin war Sloane nicht das einzige Mädchen, das ich mit nach Hause genommen hatte.

 

Aber ich hoffte, dass sie das letzte war.

 

Mom und Dad wussten nichts von Sloane und mir. Auch wenn sie es wüssten, so kannte ich Sloane gut genug. Es wäre ihr äußerst peinlich gewesen, wenn meine Eltern sie hören könnten. Sie mochte es nicht, im Mittelpunkt zu stehen. Das hatte sie noch nie ausstehen können.

 

Abermals erhöhte ich das Tempo, pumpte mittlerweile förmlich in sie hinein. Innerlich lud sich eine Spannung bei mir auf, die ich schon so oft mit ihr zusammen verspürt hatte. Ich liebte dieses Gefühl, liebte dieses Mädchen.

 

Sloane zog sich um mich zusammen, zerquetschte förmlich meinen Schwanz, wodurch auch ich meinem Höhepunkt sehr nahe war.

 

Dann plötzlich war es soweit. Meine Kleine versteckte ihr Gesicht in meiner Halsbeuge, stöhnte. Mich überrollte ebenfalls mein Orgasmus, weshalb auch ich nur noch meine Augen schloss und stöhnend meinen Samen in den Körper meiner Freundin spritzte.

 

Außer Atem brach ich auf ihr zusammen, hatte Schwierigkeiten, genügend Sauerstoff in meine Lungen zu ziehen. Das Herz klopfte wild in meiner Brust.

 

Auf meinem Rücken spürte ich ihre Finger, die zart über meine Haut streichelten. Gott, das hier war es, was ich unbedingt wollte und niemals aufgeben würde.

 

Nachdem wir uns beruhigt hatten, zog ich mich aus ihr heraus, ließ mich auf die Seite fallen, nahm meine Kleine in den Arm und deckte uns zu.

 

Nun würde es nicht mehr lange dauern und Sloane kam zu mir nach Boston. Ich konnte es nicht abwarten, mit ihr ein neues Leben zu beginnen. Ein gemeinsames.

 

Meine Zukunft hieß Sloane Hustle, nur sie hatte es geschafft, mein Herz für sich zu gewinnen. Es gehörte ihr, würde es immer.

 

 

 


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