Leseprobe

 

Neugierig? Dann hol dir hier schon einmal einen Appetithappen.

 


Atlanta Predators: Taylor & Sara

Tessa Jones



 

Kapitel 1

 

Taylor

 

 

 

 

 

„Du schaffst das!“, rief Sara freudestrahlend, und ihre blauen Augen strahlten mit den Perlen an ihrem Kleid um die Wette. Unfassbar, wie viel Energie in so einer zierlichen Person steckte. Sie erinnerte mich immer an den kleinen, rosa Duracell-Hasen aus der Werbung. Und obendrein war sie bildhübsch, lustig und ehrlich. Trotzdem glaubte ich ihr gerade kein Wort!

 

Basketball war eine Sache, darin war ich unschlagbar, aber das hier, war etwas völlig anderes. Worauf hatte ich mich da nur eingelassen?

 

Sobald die Musik einsetzte, schaltete ich mein Gehirn aus und versuchte, mich voll und ganz auf den Text zu konzentrieren. Es war nicht leicht, einen auf Bill Medley und Jennifer Warnes zu machen, zumal einfach jeder das Lied I´ve had The Time of My Life kannte.

 

Glücklicherweise hatte Sara eine Stimme wie ein Engel. Alle Augen waren auf sie gerichtet und nicht auf mich, den glatzköpfigen Muskelberg, der sie locker um zwei Köpfe überragte. Zusammen ergaben wir vermutlich ein sehr lustiges Duo, aber auch ein gutes!

 

Ich mochte diese kleine Powerfrau, seit ich ihr zum ersten Mal begegnet war. Das war jetzt ungefähr ein Jahr her, doch die Erinnerung daran brachte mich selbst heute noch zum Schmunzeln.

 

 

 

Gemeinsam mit meinem Freund James war ich zum Atlanta Medical Center gefahren, um seine Freundin Ana und ihre Kollegin abzupassen. Sobald ich sie entdeckt hatte, stellte ich mich vor. Ana war überaus freundlich und nett, Sara dagegen irgendwie schwer einzuschätzen. Sie musterte mich kritisch, woraufhin ihre blauen Augen gefährlich aufblitzten.

 

Da wir vorhatten, mit ihnen über ein wichtiges Projekt zu sprechen, luden wir sie zum Italiener ein. Sara schien die Idee zu gefallen, sie ließ uns gleich wissen, dass sie durchaus hungrig war. Und mit einem Blick auf meine massige Statur fügte sie hinzu: „Sofern du mir etwas übrig lässt.“

 

Das war frech, aber lustig! Ihr Humor gefiel mir auf Anhieb, genau wie ihr Temperament und ihre lockere, lebensfrohe Art.  Als Ana ebenfalls zustimmte, war ich begeistert. Auf meine Frage hin, ob die beiden selber fahren wollten, hatte sie erneut einen flotten Spruch auf den Lippen.

 

 „Wir packen mein Auto einfach hinten auf deine Ladefläche. Das sollte doch passen, oder?“ Sie lachte laut los und ging vor in Richtung meines Pick-ups.

 

In diesem Moment dachte ich nur: Klein, aber oho. Und was soll ich sagen, mein Gefühl hat mich bis heute nicht betrogen.

 

 

 

Mittlerweile waren wir unzertrennlich, die besten Freunde. Eine wirklich gute Freundschaft zwischen Mann und Frau wurde ja oft belächelt, doch in diesem Fall war ich gern der lebende Beweis dafür, dass es durchaus möglich war. Außerdem hatten wir uns ein Versprechen gegeben, und das würde ich garantiert nicht brechen.

 

Bei der Stelle mit der berühmten Hebefigur kam mein Part, mein ganz großer Auftritt. Ich war gespannt bis in die Zehenspitzen, hatte feuchte Hände und Herzklopfen. Dabei gab es überhaupt keinen Grund dafür. Wir hatten das bestimmt ein dutzend Mal geübt.

 

Saras Augen lächelten, bevor sie Anlauf nahm und in meine Arme sprang. Es war fantastisch und klappte auf Anhieb. Meine Hände so nah am Körper einer Frau zu spüren, hätte mich eigentlich nervös machen müssen, stattdessen war ich einfach nur happy und grinste bis über beide Ohren. Ich war kurz davor, einen albernen Stepptanz aufs Parkett zu legen, denn mein innerer Neandertaler platzte fast vor Stolz. Dabei war es wirklich keine Kunst, eine Frau wie Sara in die Luft zu heben. Dafür brauchte ich für gewöhnlich gerade mal einen Arm, nicht zwei, so wie heute.

 

Wir strahlten mit den Lampions um die Wette. Rick hatte seinen Garten in ein wahres Kunstwerk verwandelt. Alles war wunderschön bepflanzt, in Szene gesetzt und beleuchtet. Das Zelt, in dem wir heute Abend sangen und tanzten, war rappelvoll. Rick und Ella hatten an die zweihundert Gäste zu ihrer Hochzeit eingeladen und sahen uns, just in dieser Sekunde, genau wie sämtliche anderen anwesenden Personen, ziemlich amüsiert und glücklich an.

 

Ihre Liebe stand ihnen ins Gesicht geschrieben und ich freute mich für sie. Sehr sogar, denn Rick Colby war ein feiner Kerl. Anfangs hatte ich ihn gehasst, jedoch mittlerweile … nun ja, so fingen vermutlich viele gute Geschichten an. Und unsere Freundschaft war eine davon.

 

Rick hatte viel Schlimmes erlebt und wirklich harte Zeiten hinter sich, aber dank Ella war er ein völlig anderer Mann geworden. Obwohl James und ich ihm gern vorwarfen, sie hätte seine Eier fest im Griff, wussten wir dennoch beide, dass es genau das war, worauf es auch bei uns hinauslaufen würde. Eines Tages.

 

Ella sah bezaubernd aus in ihrem Brautkleid. Die Art und Weise, wie sie Rick ansah, war zweifelsohne die einer liebenden Frau.

 

Ihre Hochzeit war unübertroffen die Schlagzeile des Jahres. Immerhin hatte sich die junge Journalistin Ella Stone vor gut eineinhalb Jahren unter falschen Angaben in sein Haus geschlichen. Sie hatte seinerzeit vorgehabt, einen exklusiven Enthüllungsbericht über seine verschwundene Ehefrau zu schreiben, doch getan hatte sie es nicht. Obwohl sie tatsächlich irgendwann an alle Informationen gelangt war, hatte sie vor allem eines bei ihm gefunden: die Liebe ihres Lebens.

 

Es war nicht einfach für die beiden, aber letztendlich hatte Ella, allen Umständen zum Trotz, den Playboy Rick Colby, unseren Most Valuable Player, gezähmt und geheiratet. Wie glücklich er darüber war, stand ihm buchstäblich ins Gesicht geschrieben. Jeder Idiot konnte sehen, wie viel sie ihm bedeutete. Sie und seine Tochter Claire waren ihm das Wichtigste im Leben. Und genau das wollte ich auch. Eines Tages. In ferner Zukunft.

 

Als das Lied endete, waren Sara und ich erleichtert. Wir hatten weder den Text vergessen, noch schief gesungen. Somit war unser Auftritt ein voller Erfolg gewesen.

 

Es fiel mir nicht leicht, vor der gesamten Mannschaft aufzutreten, aber sie hatte mir einfach keine andere Wahl gelassen. Ehrlich gesagt hatte sie mir in ihrem Wahn sogar ein klein wenig Angst gemacht. Allerdings würde ich das ihr gegenüber niemals zugeben. Damit würde ich mir nur ein Eigentor schießen.

 

Sie wollte Ella und Rick gern ein ganz persönliches Hochzeitsgeschenk machen und hatte daher darauf bestanden, wenigstens ein Lied für die beiden zu singen. Und ich Depp musste mitmachen, vor den Augen aller Predators.

 

Anstatt mich wie befürchtet auszulachen, sahen mich die Jungs verdammt ehrfürchtig an. Das hatte ich nicht erwartet. Ich schnappte mir Sara, führte sie von der Bühne hinunter und besorgte uns etwas zu trinken. Meine Kehle war schrecklich trocken.

 

„Du hast toll gesungen“, rief sie glücklich und gab mir einen dicken Kuss auf die Wange. Anschließend fing sie an zu kichern und griff sich eine Serviette, um ihre Spuren zu verwischen. „Sorry! War keine Absicht.“

 

„Kein Problem“, erwiderte ich unverzüglich. Immerhin gab es weiß Gott schlimmeres als roten Lippenstift im Gesicht.

 

„Taylor!“, hörte ich auf einmal jemanden kreischen und schon in der nächsten Sekunde sprang mir Claire in die Arme. Sara konnte gerade noch rechtzeitig mein Bier retten und schmunzelte amüsiert.

 

Seit ich Ricks Tochter begegnet war, hing sie an mir wie eine Klette. Dabei hatte ich wirklich nichts getan, um das zu verursachen. Sie vergötterte mich und ehrlich gesagt war ich nicht in der Lage, diesem kleinen Wesen einen Wunsch abzuschlagen. Mit ihren beinahe sieben Jahren hatte sie mich voll im Griff. Wann immer ihre himmelblauen Augen mich ansahen, wurde ich schwach. Auch das durfte ich natürlich niemals zugeben, immerhin hatte ich einen Ruf zu verlieren.

 

„Gehst du mit mir zur Candy Bar?“, flüsterte sie mir ins Ohr und gluckste vergnügt.

 

„Ich dachte schon, du fragst nie!“, antwortete ich umgehend, was ihr augenblicklich ein Lächeln ins Gesicht zauberte. Wie ein Gentleman hielt ich Sara den rechten Arm hin, während ich links Claire mit mir herumtrug. Zusammen schlenderten wir an die Candy Bar und genehmigten uns ein paar Weingummis.

 

Rick und Ella hatten wirklich an alles gedacht. Die Trauung war wunderbar gewesen und hatte ihren Tribut gefordert. So ziemlich alle anwesenden Frauen hatten Tränen gelassen.

 

Wir, die Atlanta Predators, hatten anschließend Spalier gestanden und trotz unserer schicken Anzüge ein paar Kunststücke mit dem Ball aufgeführt. Am Ende musste Rick einen Dreier werfen, den er wie immer mit Bravour versenkte. Erst dann erlaubten wir ihm, Mrs. Colby erneut zu küssen.

 

„Na, was macht ihr denn hier?“, hörte ich plötzlich Ellas Stimme und drehte mich ertappt um. „Bist du etwa schon wieder am Naschen?“, wandte sie sich an Claire. Sie versuchte, ernst auszusehen, doch ihre Augen straften ihre Worte Lügen. Es war nichts außer Liebe darin zu erkennen.

 

Claire kicherte vergnügt und versteckte die Bonbons hinter ihrem Rücken.

 

„Schon gut, kleine Maus“, flüsterte die Braut und streichelte ihr liebevoll über den Kopf, nachdem ich dafür, der Größe wegen, ein wenig in die Knie gegangen war. „Dein Dad sucht dich.“

 

Die zwei waren ein tolles Team, Rick war ein echter Glückspilz. Ich ließ die Kurze vorsichtig von meinem Arm herunter und sah ihr hinterher, wie sie fröhlich hüpfend in der Menschenmenge verschwand.

 

Als ich Ella das nächste Mal ansah, wirkte sie völlig verändert. Sie schnappte nach Luft und ihr Gesicht wurde kreidebleich. Ehe ich allerdings den Mund aufmachen konnte, um zu fragen, was los war, taumelte sie nach vorn. Ich konnte sie gerade noch rechtzeitig packen und zog sie in meine Arme. Anhand Saras Reaktion erkannte ich, dass sie ebenfalls ziemlich schockiert war.

 

„Was ist los? Soll ich Rick holen?“ Ich hatte ja kein Problem damit, wenn mir die Frauen in die Arme fielen, doch hier war eindeutig etwas faul. Ella ging es schlecht und das auf ihrer eigenen Hochzeit. Nun fühlte ich mich gar nicht mehr so groß und stark, sondern ein wenig unbeholfen, geradezu ängstlich. Hilfesuchend sah ich Sara an, die keine Sekunde zögerte und ihr ein Glas Wasser reichte. „Ich glaube, es ist besser, wenn ich Rick hole“, setzte ich erneut an, aber Ella unterbrach mich direkt und legte mir eine Hand auf die Brust, was mich erschaudern ließ. Ihre kalte Hand spürte ich selbst durch mein Hemd hindurch.

 

„Nein, nicht!“, stöhnte sie, „ich brauche nur einen Moment Ruhe. Mir ist ein bisschen schwindelig.“

 

„Wir sollten einen Arzt rufen!“, empörte ich mich, immerhin wusste ich, dass Rick mir eins überbraten würde, wenn seiner Frau etwas passieren würde. Das Risiko wollte ich nicht eingehen. Garantiert nicht!

 

„Nein!“, wiederholte sie sich, dieses Mal schon ein klein wenig energischer. „Mir geht es gut!“

 

„Wirklich?“, schaltete sich nun auch Sara ein, die Ella auf ihre ganz eigene Art und Weise unter die Lupe nahm. Sie hatte längst in den Arbeitsmodus gewechselt, das war eindeutig. Als Krankenschwester konnte sie niemals aus ihrer Haut, von daher war es nicht weiter verwunderlich, dass sie sich bereits ihr Handgelenk geschnappt und vorsichtig zwei Finger auf die Innenseite gelegt hatte, um ihren Puls zu messen.

 

„Ja“, versprach Ella, und ganz unverhofft huschte dabei ein kleines Lächeln über ihre Lippen. „Mir geht es den Umständen entsprechend gut.“

 

Na klar! Das konnte sie allen anderen erzählen, aber nicht mir. Ich glaubte ihr kein Wort. Außerdem war mir gar nicht wohl bei der Sache, Rick nicht zu informieren, und das war noch stark untertrieben. Jede Faser meines Körpers schrie danach, meinem Freund Bescheid zu geben, doch scheinbar ging es nur mir so, denn von Saras Seite aus kam wenig Unterstützung.

 

 „Ach du liebe Güte!“, rief diese überrascht, riss die Augen weit auf und hielt sich gleichzeitig die Hand vors Gesicht.

 

Mein Puls schoss in die Höhe. Was zum Teufel war hier los? Ellas Lächeln wurde immer breiter und meine Ahnungslosigkeit immer größer. Hatte ich irgendetwas nicht mitbekommen?

 

Ich machte mir ernsthaft Sorgen, zumal Sara plötzlich kein Wort mehr sagte. Der Blick in ihre leuchtenden, saphirblauen Augen verriet mir ebenfalls nichts. Ich war absolut unwissend und ihre Lippen, nach wie vor, fest verschlossen. Das war völlig untypisch für sie!

 

Spätestens jetzt wusste ich, dass etwas nicht stimmte.

 

 


Du möchtest nichts mehr verpassen? Dann folge uns auf Facebook für viele weitere Infos rund um die Bücher aus unserem Haus.