Leseprobe

 

 

KAPITEL 1

 

Elaine

 

Zu meinem dreiundzwanzigsten Geburtstag hatten mein Bruder, Nael, und unsere Freunde einen Tisch im angesagtesten Club Manhattans reserviert, wo selbst Promis Schlange standen, um einen Platz zu bekommen. Der Golden Tiger war wegen seines luxuriösen Ambiente, der guten Musik und der ausgefallenen Events so beliebt. Nur die besten DJs legten dort auf, während es gelegentlich auch Starauftritte und Livemusik gab. Nael hatte schon vor Wochen im Golden Tiger angerufen und um eine Reservierung gebeten. Nur, weil jemand abgesagt hatte, bekamen wir einen Tisch, was Glück und Zufall zugleich war.

Sobald wir dort angekommen waren und reingelassen wurden, erhielten wir an der Kasse jeweils eine Verzehrkarte. »Das macht dann fünfundachtzig Dollar pro Person«, sagte die Dame dahinter. Mir klappte der Mund auf, doch bevor ich etwas erwidern konnte, reichte Nael ihr das Geld und schob mich sanft vorwärts.

Ich wirbelte zu ihm herum. »Fünfundachtzig Dollar pro Person, das ist Wucher!«, zischte ich.

»Es ist ja nur das eine Mal.«

»Trotzdem. Wir hätten auch woanders feiern können.« Wenn der Eintritt schon so teuer war, wie viel kostete dann ein Glas Champagner?

»Dieser Abend gehört dir, Elaine, genieß ihn und denk nicht an das Geld.« Er legte mir einen Arm um die Schultern und gab mir einen Kuss auf die Schläfe.

»Danke.«

Nachdem wir an unserem Tisch Platz genommen hatten, bestellte Naels Kumpel Alex die erste Runde Shots und eine Flasche Champagner. Circa eine halbe Stunde später verschwanden Heather, meine beste Freundin, und ich auf der Tanzfläche und hatten tierischen Spaß zusammen. Wir tanzten, tranken und lachten, wobei wir alles um uns herum vergaßen.

»Sieh mal, Elaine«, rief Heather mir über die Musik hinzu und deutete mit dem Kinn hinter mich. »Da hat jemand ein Auge auf dich geworfen.«

»Dafür sind wir nicht hier.«

»Wir sind deinetwegen hier. Also gönn dir etwas Spaß … mit einem Mann.« Sie wackelte anzüglich mit den Brauen.

Lachend schüttelte ich den Kopf. »Heute nicht.«

»Wann dann? Wenn du alt und grau bist? Sieh dir den Kerl wenigstens einmal an, er ist wirklich heiß.«

»Pass auf, dass mein Bruder das nicht hört«, witzelte ich, da die beiden seit mehreren Jahren ein Paar waren und Nael sehr eifersüchtig werden konnte.

Sie winkte ab. »Dafür ist die Musik viel zu laut und er zu weit weg.«

»Dein Glück.«

Das brachte sie zum Lachen. »Und jetzt sieh ihn dir an.«

»Na gut, ein Blick kann ja nicht schaden. Wo ist er denn?« Ich drehte mich um und hielt nach jemandem auf der Tanzfläche Ausschau.

»Schau nach oben.«

»Oben?« War da nicht die VIP-Lounge?

»Der auf dem Balkon«, erklärte sie mir und noch im selben Moment entdeckte ich ihn. Der Mann war, um ehrlich zu sein, auch kaum zu übersehen. Er stützte sich mit den Ellenbogen lässig am Gerüst ab und hielt ein halbvolles Glas in der Hand. Das weiße Hemd, das er unter einer Anzugsweste trug, war an den Ärmeln hochgekrempelt und stand am Kragen ein Stück offen. Das Haar wirkte aus der Entfernung dunkel und etwas länger, was ich an Männern besonders mochte, weil man dann gut mit den Fingern hindurchstreichen konnte.

»Und gefällt er dir?«, fragte Heather neugierig.

»Von hier aus schon. Nur was bringt mir das? Er ist oben und ich hier unten.« Die VIP-Lounge war durch mehrere Türsteher abgesichert. Man kam ausschließlich dorthin, wenn man auf der Gästeliste stand.

»Warte, bis er runterkommt.«

»Du bist dir ja ziemlich sicher, dass er auf mich steht. Vielleicht starrt er auch eine andere Frau an.«

»Tut er nicht, vertrau mir.« Plötzlich griff sie nach meiner Hand und deutete damit in seine Richtung. Er erwiderte die Geste mit einem schiefen Grinsen, trank anschließend seinen Drink aus und stieß sich dann vom Balkongerüst ab. »Wie ich gesagt habe: Er steht auf dich«, meinte Heather selbstsicher.

Ich sah von ihr zur VIP-Lounge zurück, in der der Fremde verschwand, und spürte, wie mein Herz einen heftigen Satz machte. Mein letztes Date war schon eine Weile her, weshalb ich auf einmal ziemlich nervös wurde. War ich überhaupt gewachst? Halb panisch ging ich den heutigen Abend durch und stellte mit Erleichterung fest, dass ich an alles gedacht hatte. Ich trug sogar meine gute Spitzenunterwäsche, als hätte ich unbewusst mit so etwas gerechnet.

»Bin gleich wieder da«, riss Heather mich aus den Gedanken.

»Was? Wohin gehst du?« Ich drehte mich zu ihr, sah sie allerdings nur noch von hinten, wie sie zu Nael und Alex ging. Mein Impuls, ihr zu folgen, wuchs binnen Sekunden und ich machte bereits Anstalten, die Tanzfläche zu verlassen, als ich plötzlich eine Hand auf meinem Rücken spürte. Sogleich blieb ich stehen.

»Hättest du Lust, mit mir zu tanzen?« Das tiefe Timbre dicht an meinem Ohr sorgte dafür, dass ich angenehm erschauerte und nach Luft schnappen musste. Dabei atmete ich den maskulinen Duft des Fremden ein.

Ich wandte mich zu ihm, begegnete seinem Blick aus bernsteinfarbenen Iriden, welche mich an einen alten Scotch erinnerten, und musterte sein Gesicht: Die dunklen Brauen und vollen Wimpern, die diese außergewöhnlichen Augen umrahmten sowie den Bartschatten, der seinen markanten Kiefer umgab. Sein Haar war dunkel, leicht gewellt und lässig nach hinten gestylt. Er sah wirklich heiß aus, so sehr, dass es mir einen Moment lang die Sprache verschlug und ich nichts anderes tun konnte, als ihn anzustarren.

»Ähh … ja, gerne«, brachte ich schließlich heraus.

Der Mann hob einen Mundwinkel, ehe er mich zu sich heranzog und einen Arm um meine Taille schlang. Dann begann er, uns zur Melodie hin und her zu wiegen, bis wir einen gemeinsamen Rhythmus gefunden hatten und miteinander verschmolzen. Ich hatte unheimlich viel Spaß mit ihm. Er konnte tanzen, als würde er nichts anderes tun und führte mich dermaßen perfekt, dass ich kein einziges Mal aus dem Takt geriet. Entweder war er Tanzlehrer oder ein Naturtalent, denn nur selten war ich Männern begegnet, die sich so gut und zielbewusst bewegen konnten wie er. Mit ihm an meiner Seite fühlte sich das Tanzen leicht und flüssig an, als würde ich die Musik erst durch ihn spüren können.

Irgendwann drehte er mich um, sodass ich rücklings an ihm lehnte, und schickte seine Hände auf Erkundungstour. Federleicht glitten sie meine Seiten hinab, über den Schwung meiner Hüfte und zu meinem Bauch. Währenddessen fühlte ich, wie seine Muskeln in meinem Rücken arbeiteten, sich bei jeder Bewegung an- und wieder entspannten. Er würde nackt bestimmt phantastisch aussehen.

Als er das Gesicht in meiner Halsbeuge vergrub, spürte ich seinen warmen Atem auf meiner erhitzten Haut und wie ich davon erschauerte. Lust flammte in mir auf und brachte meinen Körper auf Hochtouren. Aus unserem unschuldigen Tanz wurde in wenigen Minuten ein heißes Vorspiel, das mich alles um uns herum vergessen ließ. Ich legte den Kopf an seine Schulter und schloss die Lider, genoss seine Berührungen sowie die Musik im Hintergrund. Es war, als gäbe es nur noch mich und diesen Mann hier, niemanden sonst. Alles andere war egal.

Er schlang beide Arme um mich, drängte unsere Körper dicht aneinander und hielt mich fest. So konnte ich die Beule in seiner Hose spüren, die fordernd gegen meinen Po drückte und an der ich mich begierig rieb.

»Verdammt, du machst mich noch wahnsinnig«, raunte er mir ins Ohr, in das er anschließend leicht hineinbiss. »Wenn wir jetzt bloß allein wären …«

Ich öffnete die Augen und sah zu ihm auf, begegnete seinem verheißungsvollen Blick. »Was dann?«

»Würde mich nichts davon abhalten, dich zu ficken.«

O Gott. Genau das wollte ich.

Wer so gut tanzen konnte, bewegte sich mit Sicherheit auch grandios im Bett. Außerdem war ich vom Alkohol und seinen Berührungen so angetörnt, dass mein Körper wie ausgehungert war. Mein letzter Sex war einfach schon zu lange her, um bei diesem Mann nicht schwach zu werden.

»Und wenn ich es nicht wollen würde?«, entgegnete ich keck.

»Du willst es.« Seine Stimme klang entschlossen, als zweifelte er nicht einmal daran, dass ich es nicht wollen würde. Obwohl das arrogant war, war es auch sexy. »Aber nicht hier.« Als er meine Hand in seine nahm und mich von der Tanzfläche führte, folgte ich ihm verwirrt.

»Wohin gehen wir?«

»In die VIP-Lounge. Ich brauche einen Drink.«

»Warte, ich muss meinen Freunden Bescheid geben, sonst suchen sie nach mir«, hielt ich ihn auf. Sofort blieb er stehen und wandte sich zu mir.

»Gehört die Frau von vorhin ebenfalls dazu?«

»Heather? Ja, sie ist mit mir und den anderen zusammen hier.«

»Dann schicke ich jemanden vom Personal nach unten, der sie und deine Freunde zu uns geleitet.« Damit lief er weiter, bis wir eine Treppe erreichten, die uns nach oben führte. Hier schrie alles nach Geld und Macht. Es gab eine eigene Bar, eine große Ledercouch sowie drei Tänzerinnen.

Verblüfft sah ich mich einmal um und bemerkte, wie er mit einer Handbewegung alles zum Stillstand brachte. Eine der Kellnerinnen eilte sofort zu ihm und nickte, nachdem er etwas zu ihr gesagt hatte. Wenig später waren die meisten Leute verschwunden, nur noch der Barmann und ein weiterer Kellner waren da.

»Deine Freunde werden gleich hier sein«, versicherte er mir, während er sich lässig auf die Couch setzte und einen Arm auf der Lehne ausstreckte. »Nimm Platz.« Ich ließ mich neben ihm auf das Sofa fallen und beobachtete, wie er den Kellner zu uns winkte. »Was möchtest du trinken? Champagner, wenn ich mich vorhin nicht verguckt habe?«

Scheinbar lag Heather mit ihrer Vermutung, dass er mich die ganze Zeit im Auge behalten hatte, richtig. Er wusste sogar noch, was ich getrunken hatte. »Ja, bitte.«

Er wandte sich an den Mann und orderte eine Flasche sowie eine weitere mit Whisky. Danach richtete er seine Aufmerksamkeit wieder auf mich. »Wie heißt du?«

»Elaine.«

»Freut mich, dich kennenzulernen, Elaine. Ich bin Bryan.«

»Freut mich ebenfalls.«

Sein Mundwinkel hob sich und zeigte ein kleines Grübchen, das ihn noch attraktiver machte, als er sowieso schon war. Bryan sah nicht nur heiß aus und roch gut, er konnte außerdem phantastisch tanzen und besaß eine Ausstrahlung, die machtvoll und einschüchternd zugleich war. Ich war mir sicher, dass er alles bekam, was er wollte, ohne sich dafür anstrengen zu müssen. Es reichte eine Handbewegung, damit die Leute seiner Anweisung folgten, so wie das Personal vorhin. Wahrscheinlich galt das auch für die Frauen, die ihm bestimmt haufenweise zu Füßen lagen, einschließlich mir. Das konnte ich nicht leugnen. Er gefiel mir.

»Du hast einen leichten Akzent … französisch, richtig?«, riet er, wobei er seine Finger auf meinen Unterarm legte und anfing, kleine Kreise auf ihn zu malen. Die zarte Berührung ging mir unter die Haut und löste ein angenehmes Kribbeln in mir aus.

»Ouí.«

Er grinste. »Das ist verdammt sexy.«

Als seine Hand langsam in meinen Nacken wanderte und ihn mit leichtem Druck massierte, entfloh mir ein genüsslicher Seufzer. Himmel, das fühlte sich gut an!

In meinem Kopf tummelten sich gerade mehrere Bilder, auf denen Bryan mich an anderen Stellen so anfasste. Allein bei der Vorstellung bekam ich eine Gänsehaut und spürte, wie sich mein Unterleib lustvoll zusammenzog. Es war einfach schon zu lange her, dass mich ein Mann so berührt hatte, weshalb ich mich nach mehr sehnte.

»Du bist unfassbar schön«, raunte er mit tiefer Stimme, die für Dirty Talk praktisch geschaffen war und Frauen mit Sicherheit um den Verstand bringen konnte. Mir ging es auf jeden Fall so, woran wahrscheinlich auch der Alkohol schuld war. Bryan machte mich ganz wuschig mit seinen Berührungen und den gewisperten Schmeicheleien, wobei Letzteres nicht einmal nötig war. Ich war ihm so oder so bereits verfallen.

Plötzlich verstärkte er den Griff um meinen Nacken und zog mich zu sich. Sein Blick lag unverwandt auf mir und in seinen Augen blitzte etwas Wildes und Ungezügeltes auf, das mir den Atem raubte. Im nächsten Moment senkte er den Mund auf meinen und küsste mich, als wäre ich alles, wonach er sich verzehrte. Seine Zunge teilte meine Lippen, drang in mich ein und kostete von mir. Währenddessen glitt seine freie Hand zwischen meine Beine und strich über meinen feuchten Slip. Ich stöhnte und fühlte mich völlig berauscht. Alles an ihm wirkte anziehend und betörend auf mich, sodass ich vor Lust beinahe zerging und eine Hitze in mir spürte, die mich verrückt machte. Ich wollte mich ausziehen, den Stoff auf meiner empfindlichen Haut loswerden und dieses Verlangen in mir stillen.

Gerade, als ich mich auf seinen Schoß setzen wollte, ertönte mein Name und erinnerte mich daran, wo wir uns befanden.

Scheiße! Was tue ich hier eigentlich?

Hastig rückte ich von Bryan ab und sah verlegen zu meiner besten Freundin, die uns schmunzelnd beobachtete. Nael und Alex tauchten eine Sekunde später hinter ihr auf, sie hatten Bryan und mich zum Glück nicht gesehen.

»Stören wir etwa?«, zwitscherte Heather.

»Nein, setzt euch«, wies Bryan sie mit rauer Stimme an, weshalb er sich einmal räusperte, ehe er fortfuhr. »Bestellt euch, was ihr möchtet. Ihr seid meine Gäste.«

»Cool, danke«, kam es prompt von Alex, der gleich daraufhin zur Bar ging, und sich was zu trinken besorgte.

»Bist du allein hier?«, hakte Nael nach und nahm neben mir auf der Couch Platz.

»Ja.«

»Geschäftlich?«

»Nael!«, zischte ich, da ihn das überhaupt nichts anging.

Bryan nahm das jedoch gelassen, er grinste. »So in der Art.«

»Aha.« Auf meinen wütenden Blick hin verkniff er sich weitere Fragen und blieb zu seinem Glück stumm. Mit dreiundzwanzig Jahren brauchte ich nicht mehr die Erlaubnis meines älteren Bruders, wenn ich Zeit mit einem Mann verbringen wollte.

»Wie wäre es mit einer Runde Shots?«, unterbrach Heather die angespannte Stille zwischen uns.

»Bin dabei«, meinte Alex, der zu uns rüberkam und sich auf das andere Ende der Couch fallen ließ, wo er es sich gemütlich machte.

»Wodka oder Tequila?«, wollte Bryan wissen, während er bereits den Kellner herbeiwinkte.

»Tequila«, stieß Heather hervor und sah grinsend zu mir.


 

Kapitel 2

 

Elaine

 

Ein fürchterliches Pochen in meinem Kopf und ein mulmiges Gefühl in der Magengrube brachten mich irgendwann zum Aufwachen. Ich öffnete die Augen und blinzelte mehrere Male gegen das grelle Sonnenlicht an, bis ich klar sehen konnte … und erkannte, dass ich mich nicht in meinem Schlafzimmer befand. Es dauerte jedoch einen Moment lang, bis die Erkenntnis in meinem benebelten Hirn ankam und ich mich ruckartig aufsetzte. Das Stechen, das daraufhin durch meinen Kopf schoss, ließ mich gequält aufstöhnen. »O Gott.« Ich legte mir beide Hände an die Schläfen und versuchte, den Schmerz weg zu massieren, allerdings erfolglos. Der Kater war unerbittlich.

»Nie wieder Tequila«, schwor ich mir und sah mich mit verengten Augen um. Dabei beschlichen mich mehrere Gefühle gleichzeitig: Verwirrung, Übelkeit und ein Hauch Panik, denn ich war nicht zu Hause. Schlimmer noch - ich wusste nicht, wo ich war.

Während ich den Drang, in Panik zu geraten, unterdrückte, ließ ich die letzte Nacht Revue passieren und erinnerte mich an ein paar Augenblicke … sowie an Bryan.

Wir hatten zusammen den Club verlassen und waren irgendwo hingefahren, nur wusste ich nicht mehr, wohin. Weil es dunkel gewesen war und wir uns mehr aufs Herumknutschen konzentriert hatten, hatte ich von der Fahrt nicht viel mitbekommen. Außerdem war ich zu dem Zeitpunkt schon ziemlich betrunken gewesen, um mir den Weg oder die Straße merken zu können, was wirklich leichtsinnig von mir war, wenn ich die Situation rückblickend betrachtete. Immerhin hätte Bryan auch ein Psychopath sein können, der gerne Frauen folterte … Bei der Vorstellung bekam ich eine Gänsehaut und schaute unsicher zu ihm. Er lag neben mir auf dem Bauch, hatte das Gesicht ins Kissen gedrückt und war splitterfasernackt. Hmm, er sah eigentlich ganz normal aus und leben tat ich auch noch, dennoch … das nächste Mal ging ich nicht mit einem Fremden mit, wenn ich so viel getrunken hatte.

Entschlossen stieg ich aus dem Bett, sammelte meine Kleidung ein, die überall im Zimmer verteilt war, und zog mich an. Währenddessen blitzten Bilder aus letzter Nacht in meinem Kopf auf, auf denen Bryan und ich so scharf aufeinander gewesen waren, dass wir uns die Klamotten buchstäblich vom Leib gerissen hatten. Kurz danach waren wir zusammen im Bett gelandet und hatten es hemmungslos miteinander getrieben.

Ich schaute zu ihm zurück, betrachtete sein zerzaustes Haar, den muskulösen Rücken und den nackten Po, der, zugegeben, sehr ansehnlich war. Wie kann man nur so perfekt sein?, dachte ich seufzend und wandte mich von ihm ab. Ich musste mich bei den anderen melden, damit sie sich keine Sorgen um mich machten. Abgesehen davon brauchte ich dringend eine Dusche und eine Aspirin, am besten zwei.

Sobald ich komplett angezogen war und meine Tasche gefunden hatte, schlich ich leise zur Tür und verharrte, als ich hinter mir eine Bewegung wahrnahm. Shit! Ertappt und mit hämmerndem Herzen fuhr ich herum und sah zu Bryan. Er hatte sich umgedreht und schien zum Glück weiterzuschlafen. Gut. Ich wollte mir nämlich den Moment, in dem man sich nach einer unverbindlichen Nacht gegenüberstand und nicht wusste, wie man sich voneinander verabschieden sollte, gern ersparen. Bis heute war mir das auch immer gut gelungen.

Innerlich Heather verfluchend, weil sie mich überhaupt erst auf die Idee gebracht hatte, Sex mit einem Fremden zu haben - auch, wenn er unfassbar heiß gewesen war -, eilte ich auf Zehenspitzen aus dem Raum. Behutsam schloss ich die Tür hinter mir und rannte dann los: den Gang entlang, eine Treppe hinunter und durch einen riesigen Wohnraum, an den eine Dachterrasse grenzte. Als ich den Pool bemerkte, blieb ich stehen und vernahm zum ersten Mal die Aussicht.

Wow.

Träumte ich etwa?

Um sicher zu sein, kniff ich mir in den Arm und stieß einen schmerzvollen Laut aus. Okay, doch kein Traum.

Ich ging verblüfft zur Fensterfront und schaute auf halb Manhattan herab. Es war ein atemberaubendes Gefühl, weil man zwischen Himmel und Stadt schwebte und sich völlig frei fühlte. Abends, wenn die Gebäude von tausenden Lichtern beleuchtet waren, war die Aussicht bestimmt umwerfend. Ich konnte sie mir fast schon vorstellen und ein Teil von mir bereute es, dass ich sie gestern Nacht verpasst hatte.

Dann waren wir gestern also zu Bryan gefahren.

Wer er wohl war, um sich so ein Penthouse leisten zu können?

Ich schob die Gedanken an ihn zur Seite und holte mein Handy aus der Handtasche, um Nael eine Nachricht zu schreiben. Er machte sich bestimmt schon Sorgen, weil ich gestern so plötzlich mit Bryan abgehauen war und mich bisher noch nicht bei ihm gemeldet hatte.

Ich: Hey, wollte dir nur Bescheid geben, dass ich jetzt mit einem Taxi nach Hause fahre.

Sobald ich die Nachricht verschickt hatte, steckte ich das Handy zurück in meine Handtasche und verließ das Penthaus. Vor dem Gebäude standen mehrere Taxen am Straßenrand, von dem ich eines auswählte, um heimzufahren.

 

Es dauerte fast eine halbe Stunde, bis ich bei mir ankam und geradewegs ins Bad stürzte, wo ich prompt meinen Magen entleerte. Ächzend rappelte ich mich vom Boden auf, betätigte dabei die Spülung und ging anschließend unter die Dusche. Sobald ich angezogen war und mir die Zähne geputzt hatte, legte ich mich ins Bett, um etwas Schlaf nachzuholen. Die letzte Nacht war eindeutig zu kurz für mich gewesen.

 

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