Leseprobe

 

 

KAPITEL 1

 

Elaine

 

Kapitel 1

Hudson

 

 

Mein Blick wandert von einem Vorstandsmitglied zum anderen. Vor einer Stunde haben sie sich zur Beratung zurückgezogen, um über meinen Vorschlag, unser Geschäftsfeld breiter zu fächern und entsprechende Investitionen zu tätigen, zu diskutieren. Jetzt sitzen sie an dem imposanten Konferenztisch und unterhalten sich leise miteinander.

Vor drei Jahren wurde ich von ihnen zum CEO von Price and Partners Technology gewählt. Dad und seine zwei besten Freunde haben das inzwischen aktiendotierte Unternehmen gegründet, und nachdem sie vom aktiven Geschäft zurückgetreten sind, nehmen sie nur noch an außerordentlich wichtigen Vorstandssitzungen wie dieser teil.

An der Miene meines Vaters versuche ich zu erkennen, wie die Entscheidung ausgegangen ist, doch er lässt sich nichts anmerken. Wir sind uns in der Hinsicht sehr ähnlich, lassen nur wenige Menschen hinter unsere Fassade blicken. Ich räuspere mich und augenblicklich herrscht Totenstille in dem riesigen Konferenzraum. Alle Augen sind auf mich gerichtet.

Obwohl die meisten Vorstandsmitglieder Männer jenseits der sechzig sind, haben sie angemessenen Respekt vor mir. Den habe ich mir hart erarbeiten müssen, denn es reicht bei weitem nicht aus, der Sohn des Firmengründers zu sein. Seit ich die Geschäftsführung übernommen habe, konnten wir den Umsatz enorm steigern und gehören inzwischen zu den drei erfolgreichsten Unternehmen unserer Branche in den USA. Die Konkurrenz hat uns im Visier, weswegen es meines Erachtens unabdingbar ist, in eine größere Produktpalette zu investieren.

„Sind Sie zu einer Entscheidung gelangt?“, frage ich und richte nun den Blick auf Dad, der der Vorstandsvorsitzende ist und entsprechend für die Verkündung von Beschlüssen zuständig ist.

Er erhebt sich mit nach wie vor undurchdringlicher Miene. „Der Vorstand von P&P Technology stimmt den von dir vorgeschlagenen Investitionen zu.“ Innerlich atme ich auf, äußerlich lasse ich mir meine Erleichterung nicht anmerken. „Allerdings konnten wir uns nicht auf den geforderten Zeitraum von zwölf Monaten einigen und beschließen daher eine Verteilung der Kosten auf drei Jahre.“

Verdammt, natürlich habe ich damit gerechnet, dennoch ärgert mich die Zurückhaltung der meisten Vorstandsmitglieder. Unser Chef für Finanzen, Marc Reynolds, nimmt genervt die Brille ab.

„Ich habe in meinem Bericht deutlich gemacht, wie wichtig die zeitnahe Umsetzung für das Vorhaben ist. Die Zahlen lassen dieses überschaubare Risiko durchaus zu.“ Er macht keinen Hehl aus seiner Enttäuschung.

„Das sieht der Vorstand anders“, widerspricht Blake Noles, einer der beiden Mitbegründer von P&P Technology. Er ist wesentlich konservativer als Dad und ich kann mir gut vorstellen, dass die zwei in der vorangegangenen Stunde lebhaft ihre kontroversen Einstellungen diskutiert haben.

Frustriert klappt Marc den Aktenordner, der vor ihm auf dem Tisch liegt, zu und lehnt sich zurück.

Ich ordne ebenfalls meine Unterlagen, bevor ich aufstehe. „Gut, dann wäre das beschlossen. Das Sitzungsprotokoll geht Ihnen in den kommenden Tagen zu.“ Ohne mich mit Höflichkeitsfloskeln aufzuhalten, verlasse ich den Konferenzraum und steuere mein Büro am Ende des Flurs an.

Meine persönliche Assistentin Keira wirft sich, wie so oft in letzter Zeit, in Pose, schlägt die Beine aufreizend übereinander und empfängt mich mit einem Lächeln, von dem sie sich anscheinend erhofft, dass ich schwach werde.

„Keine Anrufe und ich möchte in der nächsten halben Stunde nicht gestört werden“, befehle ich barsch und marschiere, ohne sie eines Blickes zu würdigen, in mein Büro.

Nachdem ich die Tür hinter mir geschlossen habe, atme ich tief durch, lege die Aktenmappe auf den riesigen Designerschreibtisch und trete ans Fenster. Von hier aus hat man zwar nicht den grandiosen Ausblick, den ich vom Penthouse aus genieße, trotzdem kann man zwischen zwei Wolkenkratzern, die noch höher als der P&P Tower sind, bis zum Charles River sehen. Dunkle Wolken kündigen Regen an. Das Wetter in Boston ist Anfang Februar extrem ungemütlich.

Ich verstehe, dass meine Schwester ihre Hochzeit, die in vier Wochen stattfindet, lieber auf einem Schiff vor den Bahamas feiern möchte. Beim Gedanken an die fünf Tage, die der Wahnsinn dauern soll, habe ich gemischte Gefühle. Einerseits freue ich mich darauf, andererseits graut es mir jetzt schon vor der Arbeit, die in der Zeit liegenbleiben wird.

Seufzend wende ich mich ab und kehre an den Schreibtisch zurück, wo ich auf dem komfortablen Chefsessel Platz nehme, ehe ich auf dem Bildschirm die heutigen Termine aufrufe. Mit Erstaunen stelle ich fest, dass Keira für heute Abend im Menton, einem der exklusivsten Restaurants der Stadt, einen Tisch für zwei Personen reserviert hat. Da ich mir in der Regel den Freitagabend freihalte und auch der Vermerk, mit wem ich dort verabredet bin, fehlt, rufe ich meine Assistentin über die Gegensprechanlage zu mir.

Wenig später betritt sie das Büro. Sie trägt wie immer ein elegantes Kostüm, der Rock erscheint mir jedoch deutlich knapper als üblich zu sein.

„Das war ja eine schnelle halbe Stunde“, scherzt sie, ehe sie die Tür hinter sich schließt und auf einem der noblen Freischwinger vor dem Schreibtisch Platz nimmt.

„Was ist das für ein Termin heute Abend im Menton?“, komme ich direkt zur Sache.

Sie sieht kurz zu Boden und macht plötzlich einen nervösen Eindruck. „Ich … ähm … dachte, es wäre schön, wenn wir mal wieder zusammen ausgehen würden.“

So etwas in der Art hatte ich bereits befürchtet. „Hör zu, für so einen Mist habe ich keine Zeit. Wir waren uns einig, dass es ein einmaliger Ausrutscher war, und du hast mir versichert, es wird sich nicht auf unser Arbeitsverhältnis auswirken.“

Ich hätte es besser wissen müssen. Bisher galt für mich das Motto never fuck the company, aber nach einer Wohltätigkeitsveranstaltung im Dezember sind wir in einer netten Bar gelandet und eins führte wohl zum anderen. Ich muss deutlich mehr als einen über den Durst getrunken haben, denn mich plagen diesbezüglich Gedächtnislücken. Keira stimmte mir zu, dass wir die Sache einfach vergessen und so tun, als wäre nichts gewesen. Sie ist eine fähige Assistentin und ich bin froh, dass sie weiterhin für mich arbeitet, allerdings nerven ihre ständigen Avancen zunehmend.

„Falls es dir schwerfällt, die Grenzen zu akzeptieren, werden sich unsere beruflichen Wege leider trennen.“ Wenn Blicke töten könnten, würde ich sicherlich gerade einen sehr qualvollen Tod sterben. „Storniere die Reservierung im Menton.“

„Ja, Sir“, zischt sie, steht auf und verlässt ohne ein weiteres Wort das Büro. Frustriert fahre ich mit den Händen über das Gesicht, als es erneut klopft. Obwohl ich genervt bin, reiße ich mich zusammen. Bevor ich jedoch „Herein“ gerufen habe, betreten Dad und Blake Noles den Raum.

„Was ist denn mit Keira los? Sie wirkte etwas aufgebracht.“ Mein Vater sieht erwartungsvoll zu mir.

„Ich habe vergessen, ihr zu sagen, dass das Geschäftsessen heute Abend ausfällt. Sie hatte alle Hebel in Bewegung gesetzt, einen Tisch im Menton zu reservieren, den sie jetzt wieder stornieren muss“, erkläre ich mit fester Stimme. „Was kann ich für euch tun?“ Das nächste Meeting beginnt in zwanzig Minuten und ich plane, vorher noch ein wichtiges Telefonat mit einem Subunternehmer in Europa zu führen.

„Es tut mir leid, dass ich deiner Forderung nicht zustimmen konnte, aber wie du weißt, hasse ich es, größere Risiken einzugehen, wenn Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen. Wir haben eine Verantwortung für unsere über fünftausend Mitarbeiter“, lässt mich Blake wissen und es gelingt mir gerade so, nicht mit den Augen zu rollen, denn das ist schon immer sein Totschlagargument gewesen.

„Die Gefahr, Verluste zu machen, ist gering. Noch dazu würden rote Zahlen die Konkurrenz abschrecken, eine feindliche Übernahme zu versuchen.“ Auch dieses Argument hört er nicht zum ersten Mal von mir.

Dad räuspert sich. „Der Vorstand hat sich nun mal so entschieden, das haben wir zu akzeptieren. Wir sind eigentlich aus einem anderen Grund hier. Es geht um Mels Hochzeit.“

„Seid mir nicht böse, aber ich habe dafür gerade wirklich keine Zeit.“

„Wir haben uns überlegt, dass wir der Einfachheit halber den Firmenjet nehmen“, schlägt er unbeirrt vor.

„Besprecht das mit Marc, er ist der Finanzchef. Dürfte nicht ganz leicht sein, den Flug nach Miami als Geschäftsreise zu deklarieren. Da ich am Vormittag noch einen Termin hier in Boston wahrnehmen muss, werde ich eh einen Linienflug buchen.“

Nachdem wir das geklärt haben, verabschieden sich die zwei und ich widme mich wieder dem Tagesgeschäft. Vor mir liegt ein langer Arbeitstag, den ich vorzugsweise wie jeden Freitagabend mit meinen beiden besten Freunden im Boston Harbor an einem Billardtisch ausklingen lassen möchte. Bis dahin ist noch viel zu tun.

 


 

Kapitel 2

Claire

 

 

Seit Tagen ringe ich mit mir, ob ich meinen Vorgesetzten auf die Unregelmäßigkeiten hinweise, auf die ich bei der Prüfung der Spesenabrechnungen gestoßen bin. Als Leiterin der Kreditoren-Buchhaltung von P&P Technology habe ich seltener mit unserem CFO Marc Reynolds zu tun, als man denken mag. Bisher bin ich ihm nur kurz nach meiner Einstellung und auf der letzten Weihnachtsfeier begegnet, wo er sich kaum an meinen Namen erinnern konnte.

Als seine Sekretärin mir mit einem freundlichen Lächeln nun die Tür zu seinem Büro aufhält, bin ich ungewöhnlich nervös. Das Thema ist heikel und ich muss mit Bedacht vorgehen.

„Ms. Lacroix, setzen Sie sich.“ Er betrachtet mich über den Rand der Brille. „Was führt Sie zu mir?“

„Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen. Ich würde Sie nicht damit behelligen, aber die Sachlage zwingt mich leider dazu.“ Mit diesen Worten überreiche ich ihm die Unterlagen, die ich in den letzten Wochen zusammengetragen habe. Wie erwartet, überfliegt er die ersten Seiten, bis er zum Abschlussbericht gelangt. Seine Lippen verziehen sich zu einem schmalen Strich. Offensichtlich erkennt er die Brisanz.

„Machen wir doch aus einer Mücke keinen Elefanten“, sagt er in selbstgefälligem Ton, nachdem er die Lektüre beendet hat und die Mappe geschlossen auf den Tisch legt.

„Wie bitte?!“ Ich kann kaum glauben, dass er das gesagt hat.

„Ob die Vorstandsmitglieder und Investoren ins Restaurant oder in einen Stripclub gehen, bleibt finanziell das Gleiche. Letzteres war wahrscheinlich sogar die taktisch klügere Wahl, denn ich schätze, dort sind sie wesentlich besser gelaunt wieder herausgekommen.“ Er lacht dreckig auf und lehnt sich anschließend arrogant grinsend in seinem Chefsessel zurück.

„Es ist also vollkommen in Ordnung, dass die Dienste von Prostituierten als Spesen abgerechnet werden?“

„Wenn es hilft, die Herrschaften bei Laune zu halten … warum nicht?“

„Falls das an die Öffentlichkeit kommt, gibt das einen Riesenskandal“, werfe ich aufgebracht ein.

„Wer weiß denn schon davon? Ich schätze, Ihrer Mitarbeiterin ist es nicht aufgefallen. Somit sind wir zwei die Einzigen. Belassen wir es dabei.“ Den letzten Satz lässt er beinahe wie eine Drohung klingen. Er meint das wirklich ernst.

„Vielen Dank für Ihre Einschätzung der Sachlage“, presse ich hervor und stehe auf.

„Sehr gern. Schön, dass wir das so schnell klären konnten. Wenn Sie mal wieder ein Problem in dieser Richtung sehen sollten, wenden Sie sich vertrauensvoll an mich.“ Mit diesen Worten entlässt er mich aus seinem Büro. Während ich den langen Flur der Chefetage entlanglaufe, gehe ich in Gedanken noch einmal das Gespräch durch, bis ich plötzlich gegen eine Wand knalle.

„Scheiße, verdammt!“, flucht die Wand und mir wird schlagartig bewusst, dass es sich dabei um niemand Geringeren als unseren CEO Hudson Price höchstpersönlich handelt. Er steht direkt vor mir und sieht angepisst an sich hinunter. Auf seinem blütenweißen Hemd breitet sich ein riesiger Fleck aus. Der halbleeren Tasse in seiner Hand nach zu urteilen, hat er sich aufgrund des Zusammenstoßes den Kaffee über die verboten breite Brust geschüttet. Obwohl ich High Heels trage, muss ich leicht zu ihm aufsehen.

Hudson Price ist unverschämt attraktiv. Sein dichtes, beinahe schwarzes Haar ist modisch zu einem Undercut geschnitten, die kantige Kinnpartie ist glattrasiert und seine eisblauen Augen jagen ein sanftes Kribbeln durch meinen Körper. Bisher bin ich ihm nur einmal persönlich begegnet. Er tauchte überraschend auf dem Geburtstag seiner Schwester Mel auf, mit der ich bereits seit Jahren sehr gut befreundet bin. Allerdings haben wir lediglich ein paar Höflichkeitsfloskeln ausgetauscht. Da er ein vielbeschäftigter Mann ist, blieb er nicht lange, worüber ich nicht böse war, denn ich fand sein Auftreten irgendwie einschüchternd.

Als vor einigen Monaten bei P&P Technology die Stelle der Abteilungsleiterin der Buchhaltung ausgeschrieben war, wurde ich von Mel dazu ermutigt, Bewerbungsunterlagen einzureichen. Da es keine Berührungspunkte zu Hudson gab, die mir später als Freundschaftsbonus hätten ausgelegt werden können, habe ich mich beworben und den Job aufgrund meiner außerordentlich guten Qualifikationen bekommen.

„Es tut mir leid, Mr. Price“, bitte ich höflich um Entschuldigung.

Er schnaubt abfällig und setzt, ohne mich eines weiteren Blickes zu würdigen, seinen Weg unbeirrt fort. Offensichtlich hat er mich nicht erkannt. Diese Begegnung bestätigt meinen ersten Eindruck von ihm. Der Bruder meiner besten Freundin ist ein arrogantes Arschloch, das sich nur im äußersten Notfall dazu herablässt, sich mit dem schlichten Fußvolk zu unterhalten.

Meine Laune ist endgültig im Keller und ich kehre in mein Büro zurück, wo ich frustriert hinter dem überfüllten Schreibtisch Platz nehme. Das Gespräch mit Marc Reynolds hat mich kein bisschen weitergebracht, ganz im Gegenteil. Ich bin überzeugter als vorher, dass ich die Spesenabrechnung nicht einfach abnicken darf. Wenn die Medien davon Wind bekommen, wird mein Kopf rollen, sollte meine Unterschrift auf dem Papier stehen. Der Einzige, der in der Hierarchie noch über dem CFO steht, ist Hudson und der ist wirklich der Letzte, mit dem ich darüber sprechen möchte.

Das Klingeln des Telefons reißt mich aus den Gedanken. „P&P Technology, Buchhaltung, Claire Lacroix am Apparat“, melde ich mich förmlich.

„Weiß ich doch“, erklingt Mels gutgelaunte Stimme.

„Ein Price kommt selten allein“, witzle ich und lehne mich in dem bequemen Bürostuhl zurück.

„Nein, sag nicht, du bist tatsächlich meinem Bruder begegnet!?“

„Genaugenommen habe ich ihm Kaffee über das Hemd geschüttet.“

Mel lacht auf und ich erzähle ihr in knappen Worten, was geschehen ist.

„Typisch Hudson, im Kopf hat er sicher schon durchgerechnet, wie viel Zeit es ihn kosten wird, sich umzuziehen“, vermutet sie fröhlich. „Apropos, bleibt es bei der Brautkleidanprobe morgen Nachmittag? Ich kann es kaum erwarten.“

Automatisch muss ich lächeln. Sie heiratet in vier Wochen ihren absoluten Traummann und ich freue mich wahnsinnig für sie. Als erste Brautjungfer sind damit nicht unerhebliche Aufgaben verbunden, die ich aber mit Vergnügen wahrnehme. Ich weiß, dass Mel das mit dem gleichen Engagement für mich tun wird, sollte ich jemals im Leben auf den einen Mann treffen, mit dem ich alt werden möchte. Bisher bin ich ihm noch nicht begegnet und so, wie mein Alltag zurzeit aussieht, wird sich das in allzu naher Zukunft auch nicht ändern.

„Ja, ich bin, wie versprochen, um fünf Uhr bei dir“, bestätige ich den Termin, der bereits seit Wochen im Kalender steht.

„Super, und nimm dir ein Taxi, ich habe Champagner für uns besorgt.“ Wir verabschieden uns und meine Gedanken kehren augenblicklich zu dem aktuellen Problem zurück.

Ob ich vielleicht doch mit Hudson über die Sache sprechen sollte? Sofort überlege ich, ob ich das ebenfalls tun würde, wenn er nicht der Bruder meiner besten Freundin wäre. Wahrscheinlich nicht, denn den CEO eines Unternehmens belästigt man nicht mit Kleinigkeiten aus dem Tagesgeschäft.

Es klopft an der Tür und Mandy, eine der Sachbearbeiterinnen, kommt herein.

„Hier sind die neuesten Abrechnungen aus dem letzten Monat. Die Spesen sind in einem, wie ich finde, vertretbaren Rahmen gestiegen. Sie müssen nur noch unterschreiben.“ Sie legt mir die Mappe auf den Tisch und verschwindet wieder. Durch die Glastür des Büros sehe ich, dass sie ihre Sachen packt und offenbar Feierabend macht. Ein Blick auf die Uhr bestätigt mir, dass es erst Viertel vor fünf ist. Es ist nicht das erste Mal, dass sie ohne Absprache früher geht.

Ich nehme mir vor, sie morgen darauf anzusprechen, ehe ich mich den Unterlagen widme, die sie mir zur Unterschrift vorgelegt hat. Nachdem ich die Papiere überflogen habe, wird mir bewusst, dass sich das Problem nicht in Luft auflösen wird, sondern so, wie es aussieht, ungeahnte Ausmaße annimmt. Entschlossen greife ich zum Telefon und wähle die Nummer von Hudsons Assistentin.

„Hier ist Claire Lacroix, ich bin die Leiterin der Kreditoren-Buchhaltung und ich brauche schnellstmöglich einen Termin bei Mr. Price.“ Zunächst ziert sie sich ein wenig, doch schließlich bekomme ich eine Audienz bei unserem CEO am Mittwoch.

 

Bereits jetzt kribbelt mein Körper vor Nervosität bei der Vorstellung, ihm gegenüberzusitzen. Warum mache ich mir das Leben bloß so schwer? Würde ich unterschreiben, wie es mir Marc Reynolds empfohlen hat, dann hätte ich nicht fünf schlaflose Nächte vor mir. Und wem habe ich diesen ganzen Mist zu verdanken? Ein paar alten Männern, die sich auf Firmenkosten amüsieren. Zum ersten Mal hasse ich meinen Job und nur der Gedanke, dass Mitte nächster Woche die Sache geklärt sein sollte, lässt mich einigermaßen konzentriert weiterarbeiten.

 

Neugierig? Dann bestell dein eBook (vor) und verliebe dich in Hudson.

Hier geht's zum eBook