Leseprobe

 

Kapitel 1

#DasGeschenk

Amber

 

Kennt ihr diesen Moment, dieser eine, in dem man sich fragt: Was zum Geier mache ich hier eigentlich? Wie konnte ich in diese Lage geraten?

Nun, ich stelle mir diese Frage seit etwas über einer Stunde. Es war genau der Moment, in dem ich in diese Suite getreten bin. Meine beste Freundin Chloe hat dieses Zimmer für mich gebucht. Ihre Worte, als sie mir die Zimmerkarte überreicht hat, waren:

»Amber, du bist heute einundzwanzig Jahre alt geworden und verdammt soll ich sein, wenn du noch ein weiteres Jahr als Jungfrau durchs Leben gehst! Also geh in dieses Zimmer, warte auf mein Geschenk und lass dich durchvögeln!«

Die Sache ist die, ich bin nicht Jungfrau, weil ich eine sein möchte, sondern weil ich Sex probiert habe, aber es hat nicht funktioniert. Mein erster fester Freund Jax, aus meiner High Schoolzeit, hat es versucht, aber es hat nicht geklappt. Ich war voller Vorfreude, als wir nach unserem Abschlussball in einem Motel Zimmer eingecheckt haben. Wir hatten unser erstes Mal bereits geplant. Er wollte es und ich wollte es. Nur, dass er es so sehr wollte, dass die ganze Aktion bereits vorbei war, bevor sie überhaupt angefangen hat. Nach diesem peinlichen Ereignis war Jax zu stolz, um weiterhin Kontakt zu mir zu halten, also haben wir uns getrennt.

Kurz darauf begann meine Collegezeit. Einige Dates später, habe ich einen weiteren Versuch unternommen. Die Betonung liegt hier auf Versuch.

Wenn dich dein erster fester Freund verlässt, weil er gekommen ist, bevor er in dir war, verbuchst du dies unter der Kategorie: schlechte Erfahrung. Also wollte ich auf keinen Fall nüchtern sein, wenn ich mein erstes Mal endlich hinter mich bringe. Ich hatte es auf der Party, die Chloe und ich in einem Verbindungshaus besucht haben, mit dem Alkohol etwas übertrieben. Zwar hatte ich dieses Mal einen erfahrenen, wirklich gutaussehenden Sportler erwischt, aber diesmal habe ich es vermasselt. Obwohl Kevin eine begnadete Zunge besaß und mir einen sensationellen Orgasmus geschenkt hatte, sind wir nicht über die Ziellinie gekommen.

Warum? Tja, mein Magen rebellierte in dem Moment, in dem ich mich mit meinem Mund dafür bedanken wollte, für das, was er kurz vorher mit seiner Zunge getan hatte.

Und soll ich ehrlich sein? Wenn du auf den Schwanz eines echt heißen Typens kotzt, schwörst du Sex einfach ab. Zumindest bis deine beste Freundin entscheidet, dass du kein Anrecht darauf hast, auf Sex zu verzichten. Chloe sprach schon seit geraumer Zeit davon, dass sie mir einen Callboy schenken möchte. Natürlich mit Stil, immerhin reden wir hier von Chloe. Meine Freundin lebt von einem mehrere Millionen schweren Treuhandfonds. Sie erzählte mir, dass eine Bekannte ihrer Mutter, einen Edel-Escortservice in Anspruch nimmt und aus dem Schwärmen nicht herauskommt. Die Männer, die diese Agentur zu bieten hat, sollen die Crème de la Crème sein, waren ihre Worte. Da ich mir als Studentin und Tochter einer verwitweten Mutter ohne Treuhandfonds, diese Dienste nicht leisten kann, beschloss Chloe, mir einen dieser, ach so tollen Männer, für eine Nacht zu schenken.

Zu Beginn war ich begeistert, immerhin würde mich ein sehr erfahrener Mann entjungfern und ich würde diesen Fremden danach nie wiedersehen. Falls ich mir also bei diesem Versuch wieder eine Peinlichkeit leisten sollte, wäre es nicht so schlimm. Da der Mann dafür bezahlt wird und wir uns nie wieder begegnen würden. Also, was könnte da noch schieflaufen, oder?

Ich greife nach meinem Handy auf dem Kingsize Bett und wähle Chloes Nummer, sie nimmt nach dem ersten Läuten ab.

»Wehe du kneifst jetzt«, beginnt sie sofort. »Ich habe fünf Riesen für diese Aktion ausgegeben.«

»Du hast was?«, schreie ich in den Hörer und springe regelrecht auf. Ist sie wahnsinnig geworden? »Dafür gehe ich gefühlte hundert Jahre kellnern, Chloe.«

»Deshalb bezahle ich es ja auch und nicht du. Ich hätte noch mehr bezahlt, wenn nötig. Mir tut dieses Geld nicht weh, Amber, und wenn ich damit helfen kann, dann mache ich es sehr, sehr gerne.« Ihre Stimme klingt zum Schluss hin immer süffisanter. Ich tigere derweil im Zimmer auf und ab und versuche, meine Nerven zu beruhigen.

»Im Ernst, Chloe, das ist doch Wahnsinn, was wir hier machen.«

»Ja, das finde ich auch. Es wird eine wahnsinnige Nacht für dich.«

»Boah, hörst du mir eigentlich zu? Ich habe Angst! Ich kenne diesen Typen nicht, keine Ahnung, ich meine, er arbeitet als Callboy, das heißt, er hat bestimmt einen riesigen Schwanz und ich habe eine unberührte Mumu.«

»Du hast jetzt nicht das Wort Mumu benutzt, oder?« Chloes Stimme klingt empört.

»Ja verdammt, habe ich. Aber darum geht es doch gar nicht.«

»Doch, genau darum geht es, Amber. Hör zu ...«, beginnt sie und ich atme tief durch. »Wir beide haben diesen Plan ausgeheckt. Erstens: Du bist in wirklich sicheren Händen. Zweitens: Du willst es eigentlich auch, hast aber nur schiss. Drittens: Und das ist der wichtigste Punkt, wenn du es wirklich nicht willst oder der Typ dir nicht gefällt, oder aber die Chemie nicht stimmt, bittest du ihn, zu gehen. Er bekommt so oder so sein Geld, er wird sich dir deshalb nicht aufdrängen. Du entscheidest, wie dieser Abend läuft, okay?«

»Ja, okay.« Ihre Worte kommen in meinem Hirn an und ich muss ihr Recht geben. Alles was heute passiert oder eben nicht passiert, ist meine Entscheidung. Wir unterhalten uns noch kurz und legen anschließend auf. Nachdem ich mein Smartphone auf den Beistelltisch gelegt habe, gehe ich durch das Schlafzimmer Richtung Balkon. Meine Freundin hat sich wirklich Mühe gegeben. Ich befinde mich auf der obersten Etage des Hilton, in New Orleans Riverside.

Ich lebe lang genug in dieser Stadt, um zu wissen, dass solch ein Zimmer, in dieser Gegend von New Orleans, ein halbes Vermögen kostet. Soweit ich weiß, befindet sich nur eine weitere Suite, den Gang runter auf dieser Ebene. Mein Blick wandert zu der Uhr an der Wand zu meiner Rechten und ich stelle fest, dass mein Callboy bald auftauchen wird. Bei dem Gedanken entschlüpft mir ein hysterisches Lachen. Nicht in tausend Jahren hätte ich gedacht, dass ich jemals in so einer Situation sein würde. Ich stehe in einem sündhaft teuren Negligé und den dazu passenden Dessous in einem fremden Zimmer und warte auf einen Mann, der dafür bezahlt wird, mich von meiner Unbeflecktheit zu erlösen. Bevor ich mich wieder verrückt mache und Chloe anrufe und sie mich zur Schnecke macht, beschließe ich, noch eine Runde durch die Suite zu tigern. Also verlasse ich das Schlafzimmer – eines von drei übrigens – und gehe in das Wohnzimmer. Dieses ist voller Dekadenz und größer als meine gesamte Studentenbude damals war. Als Tochter einer verwitweten Krankenschwester in einer Privatklinik kenne ich solch einen Luxus nicht, zumindest nicht in meinem Leben. Durch Chloe habe ich zwar viel Einblick in die Welt der Reichen und Schönen, aber es bleibt nur bei diesen Momentaufnahmen. Ich weiß von Chloe, dass viele Freunde aus ihrer Jugend, die nicht reich geboren wurden, meine Freundin für ihren Lebensstil teilweise beneidet haben. Ehrlich gesagt kann ich das nicht recht nachvollziehen. Klar, es wäre schon cool gewesen, nicht kellnern zu müssen, um sich durch die Unizeit zu boxen, aber ich mag mein Leben. Ich liebe es, an den Feiertagen meine Mama zu besuchen und in dem Haus, dass sie mit meinem Vater gebaut und in dem mein Bruder und ich geboren wurden, in alten Erinnerungen zu schwelgen und neue zu schaffen. Obwohl Chloes Familie sehr herzlich ist, sind ihre Eltern in ihrem Leben kaum existent. In den seltenen Fällen, in denen meine Freundin ihnen einen Besuch abstattet, sind sie nur für kurze Zeit für ihre Tochter da. Irgendwoher müssen die Millionen ja kommen, also hetzten die beiden von einer Vorstandssitzung zur nächsten. Meine Mama jedoch nimmt sich bei jedem meiner Besuche frei oder tauscht mit einer anderen Krankenschwester ihren Dienst. Sie gibt mir immer das Gefühl, an erster Stelle zu stehen, und ich würde diese Momente mit ihr für kein Geld der Welt eintauschen.

Wieder schaue ich auf die Uhr und stelle fest, dass mein Date jeden Moment auftauchen müsste, und werde richtiggehend nervös. Da ich keine Lust mehr habe Chloes und mein Leben zu vergleichen oder aber die Inneneinrichtung dieser Suite zu bestaunen, gehe ich Richtung Tür. An der massiven Holztür angelangt, frage ich mich, warum ich nun hier stehe. Puhhh, ich glaube, ich drehe langsam durch! Was in Gottes Namen habe ich mir bloß dabei gedacht, dieses Geschenk anzunehmen? Genervt von mir selbst und der ganzen vertrackten Situation, presse ich meine Stirn an das Holz vor mir und bemerke erst jetzt, dass diese einen Türspion hat. Wie eine Stalkerin kneife ich mein linkes Auge zu und schaue in der Hoffnung, meinen Callboy zu entdecken, mit dem anderen durch den Spion. Leider erblicke ich nur die beigefarbene Tapete auf der anderen Seite des Flurs und verdrehe genervt die Augen. Ich beschließe, weiterhin durch das winzige Loch zu spähen. Warum auch immer, aber das Stalken eines leeren Hotelflures, beruhigt meine aufgescheuchten Nerven etwas und ich kann wieder etwas freier atmen. Wie aus dem Nichts taucht ein Mann vor meiner Tür auf. Obwohl das Bild, das ich durch das Glas erhasche, verzerrt ist, sehe ich sofort, dass es sich um einen gutaussehenden Mann handelt. Das muss er sein, ist mein Gedanke. Meine Hand wandert wie von selbst zum Türgriff, um diese zu öffnen, aber der Mann wendet sich von meiner Tür ab und macht sich bereit weiterzugehen. Nein, nein, nein, das kann doch jetzt nicht wahr sein. Du bist hier genau richtig, mein Lieber, warum willst du weiterziehen? Binnen ein paar Sekunden habe ich die Tür aufgerissen und bin halb aus meiner Suite, während ich nach dem Arm des Unbekannten greife.

»Wow«, entfährt es dem Mann. »Langsam Lady.« Seine Stimme klingt empört und überrumpelt, aber ich achte nicht weiter drauf und ziehe ihn in mein Zimmer.

»Ich dachte schon, du tauchst gar nicht mehr auf«, beginne ich zu sprechen und knete nervös die Hände. »Ich meine, du standest da und ich habe dich gesehen und es war abgemacht, dass du um neun hier bist«, plappere ich weiter und nehme den Mann vor mir nun genauer in Augenschein. Sein Gesicht kommt mir unglaublich bekannt vor, aber ich weiß einfach nicht woher. Vielleicht arbeitet er ja nicht nur als Callboy, sondern auch als Model und ich habe ihn deshalb schon tausendmal gesehen. Bei seinem perfekten Aussehen würde es mich jedenfalls nicht wundern. »Möchtest du was trinken?« Noch während ich die Frage stelle, drehe ich mich um und gehe zur Bar, die in dem Zimmer steht, um mich zu beschäftigen. Ich bin so unfassbar aufgeregt und dass dieser Kerl wie ein Adonis ausschaut, macht es auch nicht besser. Er ist groß, zwar kein Riese aber mindestens eins dreiundachtzig, breite, aber nicht zu breite Schultern, ein flacher Bauch, schmale Taille und kräftige Oberschenkel runden seine Erscheinung ab. Sein schwarzer Anzug und das weiße Hemd passen wie angegossen. Seine grünen Augen blicken mich verschmitzt an und seine vollen Lippen verziehen sich zu einem halben Grinsen, bei dem seine Grübchen hervortreten. Männer mit Grübchen sind einfach zum Niederknien. Bei seinem Anblick scheint die Raumtemperatur um gefühlte hundert Grad anzusteigen und ich bekomme heiße Wangen. Rasch wende ich den Blick ab und schenke mir ein Glas Champagner ein. »Und möchtest du nun was trinken?«

»Einen Whiskey«, bittet er mich und kommt einige Schritte auf mich zu. »Nur wenn es keine Umstände macht Miss ...«, er zieht eine seiner perfekten Augenbrauen hoch. Ich glaube, er fragt durch die Blume nach meinem Namen.

»Hat dir Chloe meinen Namen nicht verraten?«

»Chloe?« Nun ist das Grinsen aus seinem Gesicht verschwunden und er zieht verwirrt die Stirn kraus. Mich beschleicht das Gefühl, dass hier irgendetwas nicht so läuft, wie es sollte, aber ich schiebe es beiseite. Scheiß auf Gefühle oder Peinlichkeiten, dieser Mann – oh Gott, und was für ein Mann er ist – ist hier, um mit mir zu schlafen. Und ich werde einen Teufel tun und mich ganz bestimmt nicht von meinen Unsicherheiten davon abbringen lassen. Während ich ihm seinen Drink vorbereite, versuche ich, das Gespräch aufrecht zu erhalten.

»Ja, Chloe, die Frau, die dich über deine Agentur gebucht hat«, erkläre ich und reiche ihm seinen Drink. Da es mir komisch erscheint, einfach im Raum stehen zu bleiben, gehe ich Richtung Sofa. Während ich es mir, soweit es mein Negligé zulässt, bequem mache, steht er noch immer, wie bestellt und nicht abgeholt da. Sein Gesicht wirkt nachdenklich und er betrachtet mich nun mit einem Glanz in den Augen, den ich nicht so recht deuten kann. Seine Augen blitzen auf, als würde er etwas wissen, dass ich nicht weiß und dann schmunzelt er auf eine so süße Weise, dass mir ganz anders wird. Würde ich nicht sitzen, wäre dass der Moment, in dem meine Knie weich werden würden.

»Nein, die Agentur gibt uns keine Auskunft über die Namen der Kunden, außer diese wollen das.« Informiert er mich. Hmm, komisch, wie spricht er dann seine Kundinnen an? Auf der anderen Seite wird dieser Mann auch von verheirateten Frauen der Elite New Orleans gebucht, da ist es vielleicht sinnvoll, die Namen nicht preiszugeben. Nun, ich bin aber weder High Society noch verheiratet, außerdem werde ich ganz bestimmt nicht meine Unschuld an jemanden verlieren, der meinen Namen nicht kennt.

»Nun, wenn das so ist, ich bin Amber«, stelle ich mich vor und klopfe mit meiner freien Hand auf den Platz neben mir. Mir fällt auf, dass er mir seinen Namen nicht verrät und die Stelle, auf die ich klopfe, argwöhnisch betrachtet. Was ist hier verdammt nochmal los? Müsste er nicht viel gesprächiger und zuvorkommender sein? Immerhin verdient er fünf – fucking – tausend Doller für diesen Spaß, da könnte er doch zumindest so tun, als hätte er welchen, oder nicht?


 

Kapitel 2

#EinWunderbaresMissverständnis

Beau

 

Amber verzieht missmutig ihr wunderschönes Gesicht und schaut argwöhnisch in meine Richtung. Da ich ein Arschloch bin, verzichte ich vorerst darauf, sie über dieses äußerst lustige Missverständnis aufzuklären. Es ist unheimlich schwer, nicht loszulachen, wenn sie einfach drauf losplappert, und es ist köstlich zu beobachten, wie nervös sie ist.

Als sie mich in dieses Zimmer gezerrt hat, war ich so perplex, dass ich es einfach habe über mich ergehen lassen. Hätte mein ehemaliger Fußballtrainer die Szene mit angesehen, hätte er mich, für meine nicht vorhandenen Reflexe ausgelacht und sich anschließend in Grund und Boden für mich geschämt. Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass ich auf dem Weg zu der anderen Suite auf dieser Etage war. Zu einer Hotelsuite, wo eine nackte Eva auf mich wartet. Eine alte Bekannte, die seit Jahren, wenn sie in der Stadt ist, mir entweder einen Besuch abstattet oder mich zu sich einlädt. Der Sex ist gut und beide Parteien wissen, worauf sie sich einlassen. Keine Verpflichtungen, keine Eifersucht, kein Drama. Einfach nur unverfälschte, animalische Lust auf guten Sex. Eva hatte mir ein Bild von sich auf einem Bett geschickt, mit nichts weiter als High Heels an den Füßen. Also war ich etwas abgelenkt und hätte fast an der falschen Tür geklopft. In dem einen Moment wende ich mich von besagter Tür ab und im nächsten Moment stehe ich in einer Suite, in die ich nicht wollte.

Da ich unbedingt in Erfahrung bringen möchte, warum die süße, hübsche Amber, es für nötig hält einen Callboy zu bestellen, spiele ich das Spiel etwas weiter mit. Ja, durch diese Aktion werde ich wahrscheinlich in der Hölle brennen und es ist ganz bestimmt nicht meine edelste Handlung auf Erden. Aber bei Gott, sie ist bezaubernd und mein innerer Schweinehund ist gerade stärker als mein gesunder Menschenverstand.

»Ich bin Logan, freut mich, dich kennenzulernen«, stelle ich mich nun vor und gehe auf sie zu. Nachdem ich mich zu ihr gesetzt habe, nehme ich ihren Duft wahr. Sie riecht, wie sie aussieht, süß und fruchtig. Ihre Augen haben die Farbe von Honig und scheinen regelrecht zu leuchten. Müsste ich raten, würde ich sie auf Anfang zwanzig schätzen, vielleicht sogar jünger. Sie hat etwas Unschuldiges und Rebellisches an sich, eine Mischung, die nur junge Menschen ausstrahlen können. Ein Statement, das sagt: Hey Welt, eigentlich bin ich noch jung, dumm und ziemlich naiv, aber ich glaube an meine Ideale, deshalb zeige ich dir den Stinkefinger. Also ein Gefühl, das wir alle kennen. Nur werden wir mit den Jahren eines Besseren belehrt. Ich schüttele den Kopf, um meine Gedanken zu ordnen und konzentriere mich auf das hübsche Geschöpf zu meiner Rechten.

»Also, Amber«, beginne ich und wende mich ihr zu. »Darf ich dich fragen, wie alt du eigentlich bist?«

»Einundzwanzig, seit heute.« Interessant, nicht mal einen ganzen Tag volljährig und schon einen Callboy bestellt.

»Ist es dein erstes Mal?«, frage ich sie, um in Erfahrung zu bringen, ob sie öfter Callboys bestellt, und nippe anschließend an meinem Drink. Ihre Wangen färben sich in ein entzückendes Rot und sie wendet den Blick verlegen ab.

»Kann man so sagen.«

»Also ist es nicht deine Lieblingsbeschäftigung, an einem Donnerstagabend einen Callboy zu bestellen?«, hake ich nach. »Nicht, dass ich was dagegen einzuwenden hätte. Letztlich verdiene ich meine Brötchen damit.« Die Rolle des Callboys gefällt mir immer mehr und obwohl mein Verstand mir zuruft, dass ich mit diesem Spielchen aufhören sollte, kann ich es nicht. Amber fasziniert mich auf eine Art, wie noch keine Frau vor ihr und das soll was heißen. Immerhin habe ich eine ganze Schar an Frauen in meinem Bett gehabt. Als ehemaliger Profifußballer hat es mir nie an sexy Verehrerinnen gemangelt. Heutzutage sieht es nicht anders aus. Es mag abgedroschen oder gar eingebildet klingen, aber das ist die Wahrheit. Ich sehe gut aus, habe einen athletischen Körper und Geld ohne Ende. Hinzu kommt, dass ich mittlerweile ein sehr erfolgreicher Geschäftsmann bin. Diese Mischung kann auf Frauen eine besondere Wirkung ausüben, weshalb es mir an Angeboten nie mangelt. Aber dieses Geschöpf hier neben mir, sie spielt in einer ganz anderen Liga und das im positiven Sinne.

»Hat dir die Agentur denn überhaupt keine Infos über mich zukommen lassen?«, hakt sie nun mehr als argwöhnisch nach. »Ich meine, es ist die Agentur überhaupt, hier in New Orleans, ich dachte, dort würde professioneller gearbeitet werden.« Sie zieht eine ihrer Augenbrauen hoch und wartet auf meine Antwort. Entweder kläre ich sie nun über die Lage auf oder aber ich muss mir etwas einfallen lassen. Da ich unbedingt in Erfahrung bringen möchte, was es mit ihr und diesem Escort Service auf sich hat, spinne ich weiter.

»Chéri, natürlich bekommen wir alle nötigen Informationen über unsere Kunden«, beginne ich und lehne mich etwas zurück. »Aber es ist immer etwas anderes mit den Kundinnen persönlich zu sprechen, Vertrauen aufzubauen.« Meine erfundene Erklärung scheint sie zu besänftigen, denn ihre Schultern entspannen sich und sie lächelt leicht.

»Tja, na dann«, beginnt sie und ext ihren Champagner. »Da dies mein erstes Mal ist und das im wahrsten Sinne des Wortes«, beginnt sie und ich verschlucke mich an meinem Drink. Hat sie das gesagt, was ich denke? Ach du scheiße! Wow, ich bin so ein verfluchter, elender Mistkerl. Dieses wunderschöne Mädchen hat sich einen Callboy bestellt, um ihre Unschuld zu verlieren, und ich sitze hier und tue so, als wäre ich genau dieser.

»Du bist also wirklich noch Jungfrau?«, frage ich nach, um sicherzugehen, und exe nun meinerseits den Drink. »Wie kann das sein?«

»Ach, das ist eine lange, lange Geschichte«, seufzt sie. »Deshalb hat mir Chloe ja dieses Geschenk gemacht.« Sie lacht leicht und es ist ein wunderbarer Klang, den ich viel öfter hören möchte, stelle ich fest. »Sie meinte, ich kann nicht vom College als Jungfrau abgehen, weshalb sie dich gebucht hat. Ich könnte es mir in hundert Jahren nicht leisten, dich zu bezahlen.« Ihre Worte sagen so viel mehr über sie aus, als sie denkt. Sie kommt wohl aus bescheidenen Verhältnissen und studiert, also scheint sie ein gewisses Maß an Intelligenz zu besitzen. Die Unis in New Orleans sind sauteuer, weshalb sie sich ein Stipendium ergattert haben muss und diese werden hier zu Lande, fast nur an Einser Schüler vergeben. Aber die wichtigste Botschaft ist, nicht sie wollte diesen Abend, sondern er wurde ihr geschenkt. Sie hat es auch nicht nötig einen Kerl dafür zu bezahlen, sie zu vögeln, mein Gott, ich würde ein Vermögen hinlegen, um sie in meinem Bett zu haben. Nachdem sie sich mir so weit anvertraut hat, beschließe ich, meine Karten offen zu legen. Ich werde ihr sagen, dass ein Missverständnis vorliegt und es mir leidtut. So leid, dass ich sie gerne zu einem Abendessen einladen würde. Ehrlich gesagt, würde ich sie gerne richtig kennenlernen. Dieses Gefühl hatte ich schon eine Ewigkeit nicht mehr und ich werde den Teufel tun und sie einfach so ziehen lassen.

»Amber, hör zu ... «, beginne ich, aber ein Klopfen an der Tür unterbricht mich. Amber steht auf und schaut an sich runter. Ich tue es ihr gleich und nehme genießerisch ihren Anblick in mir auf. Der Kerl, der diese Frau für sich gewinnt, hat definitiv den Jackpot geknackt. Sie ist zwar relativ klein, hat aber Kurven an den richtigen Stellen. Das sexy Nachthemd, das sie trägt, überlässt nicht viel der Fantasie. Meinem Schwanz scheint ihre Erscheinung auch sehr zu gefallen, denn dieser regt sich in meiner Anzughose. Ganz unpassend, ich weiß, aber wie soll ein Mann sich beherrschen bei diesem Anblick?

»Wahrscheinlich hat Chloe den Zimmerservice beauftragt, uns etwas zu Essen raufkommen zu lassen«, sinniert sie und dreht sich in Richtung Tür. Während sie mit wiegenden Hüften fortgeht, kommt mir ein grausamer Gedanke und ich fange an zu schwitzen. Was, wenn es nicht der Zimmerservice ist, sondern der echte Callboy? Scheiße, ich wollte ihr doch gerade erklären, dass ich nicht der bin, für den sie mich hält! Amber zieht die Tür auf und zum Vorschein kommt ein gutaussehender, junger Mann. Nicht viel älter oder jünger als ich und mit einer beachtlichen Statur. Ich habe kein Problem damit, mir einzugestehen, dass dieser Mann mir durchaus Konkurrenz machen könnte und sein Aussehen ihm wahrscheinlich viele Kundinnen einbringt.

»Ähm, kann ich Ihnen behilflich sein?«, fragt Amber den Kerl perplex und versucht, ihre Blöße zu verdecken, indem sie sich fast gänzlich hinter die offene Tür stellt. In Anbetracht dessen, dass sie eigentlich den Mann begrüßt, der ihr die Jungfräulichkeit nehmen soll, ist ihre Scham bittersüß.

»Ich bin Carl, Chloe schickt mich. Amber richtig?«, fragt der Unbekannte charmant und lässt ein Lächeln aufblitzen, das seine unnatürlich weißen Zähne präsentiert. »Sorry, dass ich mich so sehr verspätet habe, aber der Verkehr war die Hölle.«

Obwohl ich einige Meter hinter Amber sitze, sehe ich, wie ihre Schultern sich versteifen und sie kurz zusammenzuckt. Ich hingegen stehe auf, richte mein Jackett und versuche, mir nicht anmerken zu lassen, dass ich in scheiß Panik gerate. Das Gefühl, das mich überkommt, gefällt mir überhaupt nicht. Wüsste ich es nicht besser, würde ich es Angst nennen. Tief atme ich durch und versuche, mich innerlich gegen den Zorn und das Donnerwetter zu wappnen, das mir gleich entgegenschlagen wird. Carl, der mich bis eben nicht wahrgenommen hat, entdeckt mich nun und wirkt leicht verwirrt.

»Du bist der Callboy?«, fragt Amber Carl und schüttelt ungläubig den Kopf, bevor sie diesen zu mir wendet. »Wer zum Teufel bist dann du?«

 

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