Leseprobe



Klappentext

 Zweite Chancen bietet das Leben einem nur selten und somit rechnet man nicht mit ihnen. Ganz besonders, wenn man auf so schonungslose und brutale Weise abserviert wurde, wie Susan Carter. Doch Nick Deveroux, der sie vor eineinhalb Jahren verlassen hat, erscheint plötzlich wieder auf der Bildfläche und möchte exakt das: Eine zweite Chance.

 

Susans Verletzungen sitzen tief und es fällt ihr schwer, Nick zu glauben, dass er sich geändert hat und mehr als eine Neuauflage ihrer Affäre möchte, denn noch immer nimmt sich der Profiler aus reichem Hause, was er will: Susan. Obwohl die Anziehung zwischen ihnen ungebrochen ist, wehrt Susan sich verzweifelt dagegen, Nick erneut in ihr Leben zu lassen. Doch sie hat Nicks Hartnäckigkeit unterschätzt.

 

Kann eine Liebe, die so sehr von der Vergangenheit und gegenseitigem Misstrauen geprägt ist, überhaupt wachsen?

 

Oder sind Susan und Nick trotz aller Anziehungskraft von vornherein zum Scheitern verurteilt?

 

 


Erscheint am 26.08.


 

Kapitel 1

 

 

Ich könnte kotzen. Mein Kunde Alexander Newton mustert mich so gönnerhaft, dass ich ihm am liebsten die Augen auskratzen würde. Aber ganz der Profi, der ich bin, lächele ich höflich und erkläre ihm noch einmal in aller Seelenruhe den Ablauf des Abends. Ich kann es mir leider nicht leisten, diesen neureichen Arsch zu verärgern, so verführerisch der Gedanke, ihn einfach stehen zu lassen, auch ist. »Mr. Newton«, fange ich an, aber er unterbricht mich.

 

»Alex«, lächelt er schmierig und streicht mit seinen Fingerspitzen über meinen Oberschenkel.

 

Oh bitte! Glaubt er wirklich, diese Masche zieht und sei in irgendeiner Weise elektrisierend für mich? Ich packe seine Hand und lege sie mit einer bestimmenden Geste zurück auf sein Bein. Auch wenn ich diesen Job brauche, mich anzutatschen ist im Angebot nicht inbegriffen.

 

Das durfte nur ein einziger Mann als Kunde: Nick Deveroux.

 

Früher mal.

 

Doch das ist lange, lange her und ich habe mir heftig meine Finger an ihm verbrannt.

 

 

 

»Du riechst so gut«, keucht er, zerrt meinen Kopf nach hinten und fährt mit seiner Zunge einmal der Länge nach über meinen Hals. Er nimmt sich, was er will, ohne um Erlaubnis zu fragen. Mit einem lustvollen Seufzen drückt er mich mit seinem Körper gegen die Wand, ignoriert die Menschen auf seiner eigenen Party um uns herum und reibt sich so aufreizend an mir, dass ich nicht anders kann, als aufzustöhnen.

 

 

 

»Susan?« Alexander Newton wirkt nicht begeistert über den Umstand, dass er nicht meine volle Aufmerksamkeit hat.

 

Wo zur Hölle kommt diese Erinnerung jetzt her?

 

Hört das denn nie auf? Wann verschwindet dieser Scheißkerl endlich aus meinen Gedanken?

 

Hat er sich so tief in mir verankert, dass ich ihn nie wieder loswerde?

 

Ich schüttele den Kopf über mich selbst. Nick und ich hatten eine heiße, kurz andauernde Affäre, nicht mehr und nicht weniger. Er hat diese Grenze vom ersten Tag an klar gesteckt, aber das hat mich leider nicht daran gehindert, mich dennoch in ihn zu verlieben. Der Anfang vom Ende.

 

»Ms. Carter«, gebe ich bissig zurück. Obwohl in meiner Branche die Anrede mit dem Vornamen normalerweise üblicher ist, widerstrebt es mir, diesem affektierten Snob genau das zu gestatten.

 

Meine Assistentin Alannah kommt auf uns zu und flüstert mir in mein Ohr, dass sie so weit fertig seien. Mein Team hat ganze Arbeit geleistet, der gesamte Club, in dem wir gerade stehen, ist in den von Mr. Newton gewünschten Farben dekoriert. Das von ihm ausgesuchte verruchte Schwarz-Rot zieht sich durch den Raum, findet sich in den Tischdecken und den Stuhl-Hussen wieder, um sich in den riesigen, extra für diese Party angebrachten Lampions fortzusetzen.

 

»Danke Alannah, versammelt euch schon einmal in der Küche. Wir besprechen dann gleich die letzten Details für heute Abend.« Sie lächelt und wendet sich anschließend ab. Wir arbeiten seit Jahren zusammen und sind ein eingespieltes Duo, das sich ohne viele Worte versteht. »Mr. Newton«, fange ich ein weiteres Mal an, als sich etwas ändert. Der Raum beginnt zu schrumpfen, meine Nackenhärchen stellen sich auf und mir wird schwindelig.

 

Ich spüre seine Gegenwart, noch bevor ich ihn sehe.

 

»Nicholas«, ruft Alexander Newton in einer Mischung aus Freude und Vorwurf und springt von seinem Barhocker auf, »ich hätte dich doch vom Flughafen abgeholt«, setzt er jovial nach und geht in großen Schritten ausgerechnet auf den Mann zu, der mich die letzten eineinhalb Jahre bis in meine Träume verfolgt hat.

 

Den Mann, der mir gesagt hat, dass er New York verlassen und nicht wiederkehren würde.

 

Den Mann, den ich wie keinen anderen zuvor zu hassen gelernt habe.

 

Den Mann, der nach wie vor mit seiner bloßen Präsenz dafür sorgt, dass mein Herz zu rasen beginnt, mein Blut immer schneller durch meine Adern rauscht und sich ein feiner Schweißfilm auf meiner Haut bildet.

 

Hektisch greife ich nach dem Wasserglas vor mir auf dem Tisch und nehme einen Schluck.

 

»Schön, dass du es geschafft hast«, begrüßt Newton sein Gegenüber und ich würde ihm am liebsten eine Ohrfeige verpassen.

 

Nicholas Deveroux, meine ganz persönliche Nemesis, grinst und zwinkert mir zu. Wieso hat sein verfluchter Name nicht auf der Gästeliste gestanden, die Newton mir übergeben hat?

 

»Alex, das war doch Ehrensache. Es ist mir eine Freude«, antwortet Nick und schlägt in dessen Hand ein, ohne mich dabei auch nur eine Sekunde aus den Augen zu lassen. »Die Party zu deinem fünfzigsten Geburtstag würde ich mir nie entgehen lassen!«

 

Ich verschlucke mich bei dieser Zahl an meinem Wasser und fange zu husten an. Es ist so typisch für Nick, dass er Alexander vorführt.

 

»Fünfundvierzig, Nick, ich muss doch sehr bitten«, protestiert Newton prompt und Nick lacht auf.

 

»Natürlich, wie konnte ich das nur vergessen?« Träge gleitet sein Blick von oben nach unten über mich. Ich fühle mich wie ein Insekt unter dem Mikroskop und verdamme ein weiteres Mal die Wirkung, die er nach wie vor auf mich hat.

 

Ich verwünsche meinen verräterischen Körper, der sich nach ihm sehnt und in eindeutiger Weise auf ihn reagiert. Langsam und mit den geschmeidigen Schritten eines Raubtieres kommt er auf mich zu und streckt mir seine Hand entgegen.

 

»Susan«, raunt er, und das sanfte Timbre seiner Stimme lässt mein Herz stolpern.

 

Seine braun-grünen Augen funkeln und seine Mundwinkel verziehen sich zu diesem schiefen amüsierten Grinsen, das ich so mag, als ich seine Finger ergreife und fest zudrücke. Mein Versuch, ihm die Hand zu zerquetschen, ist angesichts seiner beeindruckenden Größe von einem Meter neunzig und seiner durchtrainierten Statur lächerlich. Ich bin anderthalb Köpfe kleiner als er, aber dennoch kann ich dem Wunsch, ihm wehzutun, nichts entgegensetzen.

 

Genauso wenig wie der unerwünschten Erinnerung, die bereits vorhin teilweise an die Oberfläche gedrungen ist. Aber jetzt, mit seiner Hand in meiner, brechen die Dämme, die ich sorgsam errichtet habe.

 

 

 

Nick streicht an meinen Armen empor, zieht sie in die Höhe und pinnt sie über meinem Kopf an die Wand. Fest umklammert er meine Handgelenke mit einer Hand und gleitet mit den Fingerspitzen der anderen über mein Gesicht. Er zeichnet meine Augenbrauen nach, fährt über meinen Nasenrücken, malt feine Kreise auf meine Wangenknochen und streicht schließlich mit dem Daumen über meine Lippen.

 

Seine Zärtlichkeiten jagen einen Stromstoß nach dem nächsten durch meinen Körper direkt in meine Mitte. Er ist der Erste, der mit diesen unschuldigen und gleichzeitig so intensiven Berührungen tief in mir ein Feuer entfacht.

 

»Jasmin«, flüstert er und lacht über meinen fragenden Gesichtsausdruck. »Du riechst nach Jasmin.«

 

 

 

»Nicholas«, erwidere ich seine Begrüßung und verdränge die Erinnerung in den hintersten Winkel meines Verstandes. »Mr. Newton, ich würde mich gerne mit meinen Leuten besprechen, ich denke, wir sind fertig. Oder bestehen Ihrerseits noch Fragen?«, wende ich mich an meinen Kunden, blende Nick aus und ignoriere die Hitze, die angesichts seiner Nähe in mir nach oben steigt.

 

Selbst jetzt, nach allem, was er mir angetan hat, müsste er nur mit den Fingern schnippen und ich würde, ohne zu zögern, mit ihm schlafen. Das wird mir in diesen Sekunden klar. Meine Schwestern Lauren und Tessa würden mich umbringen, wenn sie in dieser Sekunde hier wären und meine Gedanken hören könnten.

 

Aber niemand ist hier.

 

Keiner wird kommen, um mich zu retten.

 

Ich ignoriere Nick weiterhin standhaft und hoffe, dass irgendwo in ihm so etwas wie Anstand vorhanden ist und er mich in Ruhe lässt.

 

»Derzeit habe ich keine Fragen, Susan«, antwortet Mr. Newton und spricht mich wieder penetrant mit meinem Vornamen an.

 

Ich ignoriere diesen Umstand und setze mich in Bewegung. Wie aus weiter Ferne nehme ich noch wahr, dass Nick ihm »Wir sehen uns später« sagt.

 

Nein. Nein. Nein. Nein.

 

Dieses eine Wort hämmert durch meinen Kopf, während ich seine Schritte immer näher kommen höre. Das darf nicht sein, ich kann das nicht wieder von vorne beginnen lassen.

 

Flucht.

 

Mein Körper reagiert im Selbsterhaltungstrieb, obwohl für Außenstehende keine Gefahr zu sehen ist. Im klassischen Sinne stimmt das auch. Aber ich weiß, wo das hier endet, wenn ich mich nicht Nicks Gegenwart entziehe.

 

Mir ist egal, was Newton von mir denkt, ich fange zu rennen an, biege um die Ecke und sehe mich panisch nach einem Raum um, in dem ich mich vor Nick verstecken kann. Ich reiße gerade die Tür zu einem Büro auf, als er mich von hinten packt und zu sich herumwirbelt.

 

»Nicht«, keuche ich wie aus der Pistole geschossen, da erstickt Nicks Mund bereits meinen Protest.

 

Verzweifelt trommele ich auf seine Brust, schlage immer wieder zu, aber er lässt sich nicht aufhalten, bricht wie ein Hurrikan über mich hinein, so wie er es schon immer getan hat. Ich kämpfe eine aussichtslose Schlacht, mein Verstand wehrt sich mit aller Macht gegen ihn, doch mein Herz hat seinen eigenen Willen, begehrt auf und sorgt dafür, dass ich seinen Kuss erwidere.

 

»Susan«, murmelt er an meinem Mund. Ich nutze die Gelegenheit und versuche, ihn mit aller Kraft von mir zu schieben.

 

Aber auch das stoppt ihn nicht, sondern scheint Nick nur noch anzustacheln. Verschwommen registriere ich, dass er mich in das Büro bugsiert, die Tür hinter sich zustößt und verschließt. Danach drängt er mich zu dem kleinen Schreibtisch, fegt alles darauf mit einer Bewegung weg, um mich auf ihm abzusetzen.

 

Nein. Nein. Nein. Nein.

 

Meine innere Stimme schreit, während mein Verlangen bereits dafür sorgt, dass mein Körper sich selbständig macht. Mit fliegenden Fingern öffne ich sein Hemd, presse meine Lippen auf die nackte Haut darunter und seufze, als sein mir so vertrauter Geschmack auf meine Zunge trifft.

 

Ich schaue zu ihm auf und erkenne, dass ich endgültig verloren bin. Kapitulierend verschränke ich meine Hände in seinem Nacken und ziehe ihn zu mir hinunter.

 

»Nick«, wispere ich und stöhne, als er meinen Mund erneut mit seinem verschließt. Ich schmecke den für ihn typischen Hauch von Minze, vermischt mit seiner eigenen Note, und mein Herz pocht schneller.

 

Mehr. Mehr. Mehr. Mehr.

 

Gierig stoße ich mit meiner Zunge in seinen Mund vor, ziehe ihn noch dichter an mich und schlinge meine Beine um seine Hüften. Will mehr von ihm, alles von ihm und doch weiß ich, dass ich es nicht bekommen werde. Stöhnend werfe ich meinen Kopf in den Nacken und helfe ihm, als er Schwierigkeiten mit den Knöpfen meiner Bluse hat. Achtlos lasse ich den Stoff schließlich von meinen Schultern gleiten.

 

 

 

Sanft und zaghaft küsst er mich. Dieser Mann ist ein einziger Widerspruch für mich. Grob und wild auf der einen Seite, zart und vorsichtig auf der anderen. Mit seiner Zunge neckt er mich, intensiviert den Kuss und stöhnt leidenschaftlich, während er mit seinen Fingerspitzen über meine Seite streichelt. Er wird immer drängender und fordernder, lässt mich vergessen, dass wir nicht allein, sondern umgeben von Partygästen sind.

 

»Nicholas«, seufze ich und er sieht mich tadelnd an.

 

»Wann wirst du mich endlich Nick nennen?«

 

 

 

Ein sanfter Biss in die empfindliche Haut zwischen Schulter und Hals reißt mich aus meinen Erinnerungen und katapultiert mich zurück in die Gegenwart. Ich muss wahnsinnig geworden sein, anders kann ich mir nicht erklären, was in diesen Minuten passiert. Heiser etwas vor sich hinmurmelnd gleitet Nick mit seiner Zunge über mein Dekolleté, saugt meine Haut zwischen seine Zähne und lässt sie mich spüren. Die Stoppeln seines Dreitagebartes kratzen mich und ich erschauere, als Nick sinnlich lacht.

 

Wie kann ich mich durch ihn gleichzeitig so lebendig und doch innerlich wie tot fühlen?

 

Wie kann ich ihn immer noch so begehren? Nach allem, was er mir oder eher meinem Herzen angetan hat?

 

Ich muss an Lauren denken und das, was sie mir einmal über ihre große Liebe Ryan gesagt hat. Dass er ihr Untergang sei.

 

Nick Deveroux war und ist meiner.

 

Er ist fähig, mich innerhalb eines Wimpernschlages in mein Verderben zu jagen. Stöhnend schiebt er meinen Rock hoch, entblößt den schwarzen Spitzenstring darunter und lächelt mich an.

 

Lächelt. Mich. An.

 

Etwas hakt in meinem Kopf aus und ich ohrfeige ihn. Das Klatschen hallt ohrenbetäubend laut in mir wider. Es füllt das kleine Büro aus und friert uns beide für einen winzigen Moment ein, bevor Nicks Hand an meine Kehle schnellt. Seine Miene ist verschlossen, doch in seinen Augen lodert ein Feuer, das auch mich elektrisiert und weiter in mein Verderben treibt.

 

Er drückt leicht zu, während er mich mit einer Intensität fixiert, die mich noch feuchter werden lässt, als ich es ohnehin bereits bin. In diesen Sekunden fällt die Entscheidung und ich weiß, dass es kein Zurück mehr gibt. Nick beugt sich zu mir hinunter und gibt mir einen harten, fordernden Kuss, ehe er mich an den Schultern packt, herumwirbelt und mit dem Oberkörper voran auf die Schreibtischplatte drückt.

 

Ich keuche laut auf, als er zwischen meine Beine greift und seine Finger unter den Steg meines Höschens schiebt. »So feucht und geil«, raunt er an meinem Ohr, als er durch meine Spalte streicht und ich bocke wütend unter ihm auf, was ihn nur heiser lachen lässt.

 

Mit einem Ruck zerreißt er mein Höschen und entlockt mir so erneut ein Stöhnen. Sein Körpergewicht pinnt mich auf die Tischplatte und das erregende Gefühl, ihm völlig ausgeliefert zu sein, bringt mich langsam aber sicher um den Verstand. Einem Teil von mir ist vollkommen bewusst, auf welchen Abgrund ich gerade zusteuere - doch ich kann und vor allem will nicht Nein sagen.

 

Meine Sehnsucht nach Nick frisst mich von innen heraus förmlich auf und ich wünsche mir nichts mehr, als dass er mich hart, hemmungslos und wild durchvögelt. Dass dieser Mann nach all der Zeit immer noch eine solche Macht über mich hat, entsetzt und fasziniert mich zugleich.

 

Flehend und bettelnd winde ich mich unter ihm, als er seine Finger das erste Mal auf meine Klit legt und sie mit stetig stärker werdendem Druck auf ihr kreisen lässt. Ich seufze, als er seine Zähne erneut in jener empfindlichen Stelle zwischen Hals und Schulter vergräbt.

 

»Bitte … nicht«, wimmere ich und beiße mir auf die Innenseite meiner Wange, um ein allzu wollüstiges Stöhnen zu unterdrücken.

 

»Dein Körper straft deine Worte Lügen«, wispert er an meinem Ohr. »Du willst, dass ich dich ficke … rau … exakt so, wie du es brauchst«, murmelt er und ich versuche ein weiteres Mal, mich unter ihm aufzubäumen.

 

»Du widerlicher, arroganter Scheißkerl, ich hasse dich!«, fauche ich und doch kann ich dieses verfluchte Stöhnen nicht mehr länger zurückhalten, weil Nick in ebendiesem Moment zwei Finger in mich schiebt.

 

»Und wie du mich hasst«, neckt er mich und streift mit seinem Mund über meinen Hals. »So sehr, dass du von Sekunde zu Sekunde feuchter wirst und meine Finger bereits so eng umschließt, als würdest du jeden Augenblick kommen.«

 

Dieser überhebliche Bastard!

 

Ich klammere mich mit meinen Händen an die Kanten des Schreibtischs und presse meine Lippen fest aufeinander, um ja kein weiteres Wort oder gar ein Keuchen, Seufzen oder Wimmern von mir zu geben. Das durchzuhalten, fällt mir zunehmend schwerer, weil Nick meine Perle weiter massiert und seine Finger immer schneller in mich hineinstößt.

 

Nick legt seine Hand wieder an meine Kehle, da er genau weiß, wie sehr ich auf seine rohe Dominanz und insbesondere dieses Spiel abfahre. Atemkontrolle beim Sex hat mir immer Angst bereitet … bis Nick in mein Leben getreten ist. Mit ihm habe ich das erste Mal die Erfahrung gemacht, wie erregend es sein kann, wenn dich dein Partner auf diese Art und Weise kontrolliert. Die entscheidende Zutat ist Vertrauen, und paradoxerweise hatte und habe ich exakt das zu Nick.

 

»Gib dir keine Mühe«, haucht er an meinem Ohr, beschleunigt die Geschwindigkeit noch etwas und erhöht den Druck auf meinem Kitzler, sodass ich nicht anders kann, als zu kapitulieren.

 

Ein langgezogenes Stöhnen kommt über meine Lippen und ich verteufele mich dafür, dass ich ihm gebe, was er hören möchte. Verdamme mich, weil ich ihm keinen ernsthaften Einhalt gebiete. Nick hat von Anfang an gewusst, dass meine Gegenwehr nur halbherzig ist.

 

Ich erschauere, als Nick seine Finger aus mir zurückzieht und ich das Geräusch einer sich öffnenden Gürtelschnalle und kurz darauf das eines Reißverschlusses höre. Nur Sekunden später fühle ich seinen harten Schwanz zwischen meinen Schenkeln und unwillkürlich stelle ich meine Beine etwas weiter auseinander, was Nick wieder dieses leise, überhebliche und doch irgendwie sexy klingende Lachen von sich geben lässt.

 

»Susan.« Mit meinem Namen auf seinen Lippen positioniert er sich und schiebt sich so quälend-langsam in mich, dass ich das Gefühl habe, jeden gottverdammten Millimeter seines Schafts zu spüren. Es dauert eine gefühlte Ewigkeit, bis sein Becken auf meines trifft und er vollends in mir ist.

 

Nicks Finger liegen nach wie vor an meiner Kehle, während wir beide in dieser Position verharren. Meine inneren Wände ziehen sich bereits jetzt um seinen Schwanz zusammen, so überreizt bin ich durch die Situation an sich und das, was er bisher mit mir angestellt hat. Der Dehnungsschmerz ist an der Grenze des Erträglichen und die Empfindungen, die mich durchströmen, sind so widersprüchlich.

 

Hass.

 

Leidenschaft.

 

Verlangen.

 

Trauer.

 

Sehnsucht.

 

All das vermengt sich zu einem explosiven Cocktail, der mich beständig an meine Grenzen und darüber hinaus treibt.

 

»Das hat mir gefehlt«, stöhnt Nick und eine neue Flamme von Wut lodert in mir hoch.

 

»Mistkerl«, zische ich und keuche gleichzeitig lustvoll, weil Nick sich beinahe zur Gänze aus mir zurückzieht, nur um sodann mit einem harten und tiefen Stoß wieder in mich einzudringen.

 

Er nimmt einen treibenden und intensiven Takt auf, während er mir mit seinen Fingern an meiner Kehle bei jedem Eindringen ein wenig mehr die Atemluft raubt. Der feste Druck seiner Hand an meinem Hals sowie der kraftvolle und tiefe Rhythmus, mit dem er mich fickt, lassen mich wieder und wieder seinen Namen stöhnen.

 

Der in meinem Kopf einsetzende Schwindel katapultiert meine Lust auf eine neue Ebene und lässt mich auch den letzten Rest meiner Vernunft und vor allem meines Stolzes über Bord werfen.

 

»Tiefer … härter … ja … oh Gott, Nick … ja«, seufze ich heiser und drücke mich Nick noch entgegen, um ihn so tief wie irgendmöglich in mich aufzunehmen.

 

Nick krallt sich mit seiner freien Hand in meine Hüfte und packt so fest zu, dass ich morgen vermutlich blaue Flecken haben werde, doch das ist mir egal. Alles, was jetzt noch zählt, ist mein mit der Gewalt eines Sturms herannahender Höhepunkt. Mit jedem rauen Stoß von Nick geht ein heftiges Zucken durch meinen Körper.

 

Nick über mir keucht heiser meinen Namen und pumpt noch kräftiger in mich. Als er den Griff seiner Finger an meinem Hals ein letztes Mal verstärkt, zersplittere ich in meine Einzelteile und komme so heftig, dass meine Knie weich werden und mir für einen Moment lang schwarz vor Augen wird. Mein Atem geht nur noch stoßweise und ich verliere mich in einem nicht enden wollenden Orgasmus.

 

Nick erstarrt nach ein paar weiteren Stößen über mir und bricht dann auf mir zusammen. Seine Hand an meiner Kehle lässt langsam locker und ich ringe gierig nach Luft, während ich gleichzeitig schon anfange, exakt dieses Gefühl zu vermissen. Es gibt nur einen Mann auf der Welt, dem ich diese Art von Vertrauen zu schenken bereit gewesen bin … doch ich dachte, dass ich das vor anderthalb Jahren hinter mir gelassen hätte.

 

Dass ich ihn hinter mir gelassen hätte.

 

Einen Teufel habe ich … und diese Erkenntnis schleudert mich aus meinem Post-Sex-Kokon zurück in die raue Realität.

 

Himmel, was habe ich nur getan?!

 

Ich habe mir geschworen, dass ich mich nie wieder derart behandeln lassen würde.

 

Dass Nick niemals wieder auch nur einen Fuß in die Tür bekommen würde.

 

Und was mache ich?!

 

Kaum, dass er erneut in meinem Leben auftaucht, lasse ich mich von ihm flachlegen.

 

»Du riechst immer noch nach Jasmin«, haucht Nick an meinem Ohr und bringt meinen Körper gegen meinen Willen nur mit seinen Worten ein weiteres Mal zum Zucken.

 

»Geh runter von mir«, flehe ich. Nick löst sich von mir, zieht sich aus mir zurück und hinterlässt ein Gefühl der Leere.

 

So war es schon immer. So wird es immer sein. Jedes verfluchte Mal, wenn ich mit ihm zusammen gewesen bin, hat er einen Teil von mir mitgenommen und so ist es auch jetzt.

 

Ich lasse mich von dem Schreibtisch gleiten und bücke mich nach meiner Bluse. Die Feuchtigkeit zwischen meinen Beinen fühlend erinnere ich mich daran, dass wir nicht einmal verhütet haben. Keiner von uns hat daran gedacht, nicht eine Sekunde haben wir darüber gesprochen, sondern uns beide hemmungslos unserer Begierde hingegeben.

 

»Ich nehme an, du lässt dich immer noch regelmäßig testen?«, frage ich ihn, während ich mein zerrissenes Höschen aufhebe, es zerknülle und nach kurzem Zögern in dem Mülleimer neben dem Schreibtisch entsorge.

 

Nick weiß zumindest noch von damals, dass ich mit der Pille verhüte, dennoch haben wir bisher noch nie ohne Kondom miteinander geschlafen. Seinetwegen. Wegen all der anderen namenlosen Frauen in Nicks Leben.

 

Ich habe mir damals ab und an vorgestellt, wie es sein würde, ohne diese lästige Barriere zwischen uns mit ihm zu schlafen, aber das ist nie Thema gewesen. Bis heute. Bis ich mich so von meiner Leidenschaft für diesen Mann habe überrollen lassen, dass ich jegliche Vernunft über Bord geworfen habe.

 

»Susan.« Seine Stimme klingt verführerisch, will mich einlullen, mir das Gefühl geben, die Eine unter vielen für ihn zu sein.

 

Was hat er mir immer gesagt? Ich sei etwas Besonderes für ihn.

 

Innerlich zynisch auflachend ziehe ich meine Bluse an, knöpfe sie zu und beobachte ihn, wie er seine Hose und sein Hemd wieder schließt. Fahrig gleitet er mit seinen Fingern durch seine dunkelbraunen Haare. Sie sind etwas länger als früher. Ein winziges Detail, das ich nebenbei registriere.

 

Er sieht zu mir und lächelt wieder dieses verdammte Lächeln, das ich ihm am liebsten aus dem Gesicht schlagen würde. Sanft legt er eine Hand an meine Wange und streicht vorsichtig mit dem Daumen über sie.

 

 

 

»Warum sollte ich dich Nick nennen? Ich kenne dich doch gar nicht«, entgegne ich auf seine Frage und lache, als er die Augen verdreht.

 

Ich weiß, dass er seinen Namen nicht mag, seine Mutter hat ihn nach seinem Großvater benannt, einem stadtbekannten alten Säufer und Hurenbock, dem er von klein auf nichts recht machen konnte. Ob er deswegen so verzweifelt mit ihm konkurriert? All diese Frauen, die ihn umschwirren wie die Motten das Licht, braucht er sie, um seinem Großvater zu beweisen, was für ein Mann er ist?

 

»So störrisch«, murmelt er und legt seine Lippen erneut auf meine, gibt mir einen Kuss, bei dem mir Hören und Sehen vergeht.

 

Ich reiße erschrocken die Augen auf, als er mich anhebt, schlinge aber doch wie automatisch meine Beine um seine Hüften. In einem Anflug von Schamhaftigkeit vergrabe ich meinen Kopf in seiner Halsbeuge, um den Blicken der Anderen zu entkommen. Ich kann nicht glauben, dass ich mich so gehen lasse. Es ist schummerig in diesem Club, aber jeder, der etwas genauer hinschaut, kann sehen, was zwischen uns läuft.

 

»Was mache ich bloß mit dir?«, seufzt er und beißt in mein Ohrläppchen, lässt sein Becken leicht kreisen und drückt seinen Schwanz immer wieder gegen meine Mitte, sorgt dafür, dass ich feucht werde und mir nur noch eines wünsche. Ihn tief in mir.

 

»Schlaf mit mir, Nick«, bitte ich ihn, presse meinen Mund auf seinen rasenden Puls und gebe ihm, was er braucht.

 

 

 

»Lass das, Nicholas«, befehle ich ihm und schlage seine Hand mit einer forschen Bewegung weg. Glaubt er wirklich, ich hätte vergessen? Abgehakt, was geschehen ist? »Wir sind fertig miteinander, das war nur ein letzter Fick«, schiebe ich entschlossen nach, laufe zur Tür und bin froh, dass mich meine Beine tragen.

 

Ich habe sie gerade entriegelt und einen Spalt weit geöffnet, als er sie wieder zudrückt, mich gegen sie presst und meine Haare zur Seite streicht. Er haucht einen Kuss in meine Halsbeuge und schmiegt sich noch dichter an mich.

 

Nein. Nein. Nein. Nein.

 

»Wir sind erst fertig miteinander, wenn ich es dir sage«, flüstert er und obwohl ich es nicht will, flattern die Schmetterlinge in meinem Bauch mit ihren Flügeln.

 

Jetzt bloß keine Schwäche zeigen.

 

»Du irrst dich«, entgegne ich kühl und denke an jenen Moment, der alles zwischen uns verändert hat. Jenen Augenblick, in dem er eine Grenze überschritten hat. »Fahr zur Hölle, Nicholas.« Mit diesen Worten mache ich mich frei von ihm, verlasse den Raum und klammere mich an die winzige Hoffnung, dass es damit endgültig vorbei ist.

 

Aber wem will ich etwas vormachen? Ich bin nicht fertig mit Nick. Das bin ich nie gewesen und werde es nie sein.

 

Die Stimme in meinem Kopf schreit, formt Worte, die ich nicht hören will.

 

Mehr. Mehr. Mehr. Mehr.